40  *  Die  Fugger

Fugger  die  politischen  Verhältnisse.  Wir  wissen,  daß  sie  zur  Kaiserwahl
  Karl  V.  die  Summe  von  543  000  Dukaten  vorgestreckt  haben;
die  Wahl  Ferdinands  zum  römischen  Könige  kostete  nur  300000.
Wir  wissen  auch,  daß  die  Fugger  noch  mit  anderen  Monarchen  in
Verbindung  getreten  sind,  so  mit  Ludwig  II.  von  Böhmen  und  Ungarn,
  dem  letzten  Jagellonen  auf  diesen  Thronen.  Als  dieser  1526
sich  eines  Türkeneinfalles  erwehren  mußte,  erbat  er  sich  neuerdings
die  Hilfe  der  Fugger,  um  ein  Heer  zusammenzubringen;  damals
mußten  die  Herren  etwas  ihre  Tasche  zuknöpfen,  das  Anlehen  fiel
mager  aus,  dementsprechend  die  Zahl  des  Heeres  gering  und  man
kann  sich  des  Gedankens  nicht  erwehren,  vielleicht  hätte  die  Schlacht
bei  Mohacs,  die  Ludwig  das  Leben  kostete  und  Böhmen  und  Ungarn
an  Österreich  brachte,  einen  anderen  Gang  genommen,  wenn  die
Fugger  tiefer  in  den  Säckel  gegriffen  hätten!  Freilich  haben  bei
dem  Ausgang  der  Schlacht  noch  ganz  andere  Faktoren  mitgespielt,
als  die  geringe  Zahl  und  die  schlechte  Ausrüstung  des  Heeres.  Wie
dann  später  Karl  V.  große  Pläne  für  Deutschland  hegte  und  die
Protestanten  Mitte  der  vierziger  Jahre  zermalmen  wollte,  waren
es  die  Fugger,  die  das  Geld  zu  diesem  Kriege  hergaben,  und  als
den  Kaiser  sein  Schicksal  erreichte,  und  er  vor  Moritz  von  Sachsen,
krank  und  elend,  aus  Tirol  nach  Kärnten  flüchten  mußte,  da  war  es
wiederum  dasselbe  Haus,  das  mit  400000  Dukaten  dem  Kaiser
zu  Hilfe  kam  und  ihm  dadurch  aus  der  bittersten  Not  half.  Bei  diesen
  Geschäften  haben  die  Fugger  viel  verdient,  hauptsächlich  dadurch,
daß  sie  für  diese  Anlehen  überaus  wichtige  Handelsvorrechte  erhielten,
  so  das  Monopol  des  Bergbaues.

Was  an  Gold  und  Silber,  an  Kupfer  und  Blei  in  den  österreichischen
  Landen  gefunden  wurde,  das  beuteten  sie  aus.  Schwaz  und  Hall
in  Tirol  —  an  letzterem  Orte  errichteten  sie  1538  die  erste  Münze  —,
Villach  in  Kärnten,  Rauris  und  Gastein  im  Salzburgischen,  Neusohl
  in  Ungarn,  die  böhmischen  reichen  Bergwerke,  sie  gehörten  sozusagen
  den  Fuggern,  und  mit  diesem  ungeheuren  Besitze  an  Edelmetallen
  konnten  sie  den  ganzen  Weltmarkt  in  Schach  halten.  Doch
noblesse  oblige,  immer  mehr  wurden  sie  von  den  Habsburgern  in
Anspruch  genommen,  immer  größere  Summen  mußten  sie  zusetzen,
so  daß  sie  sehr  stattliche  direkte  Verluste  aus  ihrem  Verkehre  mit  den
Habsburgern  herausrechnen  konnten,  man  sagt  acht  Millionen.  Besonders
  schlimm  wurde  es  für  sie,  als  Philipp  II.  von  Spanien,  der
ihnen  drei  Millionen  schuldete,  1557  seine  Zahlungen  einstellte.
Damals  drohte  auch  ihnen  der  Zusammenbruch,  dem  die  Welser  in