42  Die  Fugger

nitz,  saufend,  randalierend  und  pumpend  die  Welt  durchzog,  Hans
von  Schweinichen,  in  folgender  köstlicher  Weise:  „Es  lud  Herr
Marx  Fugger  J.  F.  G.  (Ihre  Fürstlichen  Gnaden  —  den  Herzog  von
Liegnitz)  einst  zu  Gaste.  Ein  dergleichen  Banket  ist  mir  bald  nicht
vorkommen,  daß  auch  der  Römische  Kaiser  nicht  besser  tractiren  mögen
  und  war  dabei  überschwengliche  Pracht.  Es  war  in  einem  Saale
das  Mal  zugericht,  da  war  mehr  von  Gold  als  Farben  gesehen  worden.
  Der  Boden  war  von  Marmelstein  und  so  glatt,  als  wenn
man  auf  einem  Eise  gieng.  Es  war  ein  Credenztisch  aufgeschlagen
durch  den  ganzen  Saal,  der  war  mit  lauter  vergoldten  Credenzen
(Schalen)  besetzt  und  merklichen  schönen  Venedigschen  Gläsern,  welches
  wie  man  saget,  weit  über  eine  Tonne  Goldes  würdig  sein
sollte  .  .  Nun  gab  der  Herr  Fugger  J.  F.  G.  ein  Willkommen,
welches  von  dem  schönsten  Venedischen  Glas  ein  Schiff  war,  künstlichen
  gemacht.  Wie  ich  es  nun  vom  Schänktisch  nehme  und  über
den  Saal  gehe,  hatte  ich  neue  Schuhe  an  und  gleite,  falle  mitten  im
Saal  auf  den  Rücken,  gieße  mir  den  Wein  auf  den  Hals  und  weil  ich
ein  neu  roth  dammasten  Kleid  anhatte.  ward  es  mir  gar  zu  Schaden.
Das  schöne  Schiff  aber  gieng  auch  in  viel  Stücke.  Ob  nun  wohl  unter
der  Hand  und  männiglich  ein  groß  Gelächter  war,  so  ward  ich  doch
hernach  bericht,  daß  der  Herr  Fugger  gesagt,  er  wolle  dasselbige
Schiff  mit  100  Gulden  gelöset  haben.  Es  war  aber  ohn  mein  Schuld,
denn  ich  weder  gessen  noch  getrunken  hatte.  Da  ich  aber  hernach
einen  Rausch  bekam,  stund  ich  fester  und  fiel  danach  kein  Mal,  auch
im  Tanze  nicht.  Ich  hielt  davor,  daß  Gott  die  Pracht  nicht  haben
wollt  mit  mir;  denn  ich  ein  neu  Kleid  angezogen  und  deuchte  mich,
ich  wär  der  Anerstattlichste  gewesen.  Es  führeten  J  J.  F.  G.  der  Herr
Fugger  spazieren  im  Haus  herum,  welches  ein  gewaltiges  großes
Haus  ist,  daß  der  Römische  Kaiser  auf  dem  Reichstage  mit  dem  ganzen
  Hofe  Raum  darin  gehabt.  Da  hat  der  Herr  Fugger  J.  F.  G.
in  ein  Türmlein  geführet,  darin  hat  er  J.  F.  G.  von  Ketten,  Kleinodien
  und  Edelgesteinen  auch  von  seltsamer  Münz  und  Stücke  Goldes,
  als  Köpfe  groß,  einen  Schatz  gewiesen,  daß  er  selber  saget,  es
wär  über  eine  Million  Gulden  wert.  Hernach  schloß  er  einen  Kasten
auf,  der  lag  bis  oben  aus  mit  lauter  Dukaten  und  Kronen.  Die  gab
er  auf  200  000  Gulden  an,  welche  er  dem  König  von  Spanien
durch  Wechsel  geliehen.  Drauf  führt  er  J.  F.  G.  auf  dasselbige
Türmlein,  welches  von  der  Spitze  an  bis  in  die  Hälfte  nunter  mit
lauter  guten  Thalern  gedecket  war.  Saget,  es  wär  ungefährlichen
27000  Thaler  anlangend.  Damit  bewies  er  J.  F.  G.  große  Ehr