46  Wallenstein

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haben  diese  Gegensätze  noch  weiter  verschärft.  Die  Lehre  von  dem
Widerstande  gegen  die  Obrigkeit,  die  die  Kalviner  vor  allem  im
Reiche  verteidigen  und  verteidigen  müssen,  weil  sie  eben  von  der
Obrigkeit  nicht  anerkannt  werden,  bringt  naturgemäß  diese  Fürsten
dazu,  sich  an  das  Ausland  gegen  den  Kaiser  und  die  Mitfürsten
anzulehnen.  Damit  werden  bald  Frankreich  und  England  wichtige
Faktoren,  gegen  die  sich  die  Habsburger  auf  die  spanischen  Verwandten
  stützen  müssen.  Nach  dem  Tode  Karl  V.  war  ja  das  Haus
Habsburg  in  eine  deutsche  und  eine  spanische  Linie  zerfallen.
Ganz  Europa  wird  dazumal  durch  Glaubensstreitigkeiten  erfüllt,
die  freilich  oftmals  als  Vorwand  für  den  politischen  Egoismus  der
einzelnen  Fürsten  dienen  müssen.  In  England  will  Maria  Stuart
die  englische  Krone  wieder  für  den  Katholizismus  retten,  nach  ihren
Hinrichtung  versucht  Philipp  II.  von  Spanien  dieses  Werk  durchzuführen,
  seine  „unüberwindliche  Armada“  zerschellt  an  den  englischen
  Küsten.  In  den  Niederlanden  soll  ein  glaubensstarkes  Volk
dem  Protestantismus  entrissen  werden,  ein  heldenmütiger  langjähriger
  Kampf  muß  geführt  werden,  um  das  abzuwehren.  In
Frankreich  kämpfen  die  Hugenotten  um  ihre  Religionsfreiheit,  die
ihnen  schließlich  Heinrich  IV.  im  Edikte  von  Nantes  (1598)  zuerkennen
  muß.  Dagegen  gelingt  es,  wie  schon  angedeutet,  die  österreichischen
  Erbländer  der  römischen  Kirche  wieder  zu  unterwerfen.
Dasselbe  möchten  die  Habsburger  gerne  auch  in  den  1526  wenigstens
  zum  Teile  gewonnenen  neuen  Ländern,  Böhmen  und  Ungarn,
  erzielen;  sie  stoßen  aber  da  auf  den  heftigsten  Widerstand.
Die  Ungarn,  größtenteils  vom  habsburgischen  Szepter  unabhängig,
  teils  unter  einheimischen  Familien  stehend,  teils  unter  der
Knechtschaft  des  Halbmondes  seufzend,  bewahren  sich  ihre  Religionsfreiheit,
  während  die  protestantischen  Böhmen  den  inneren  Zwist
im  Haus  Habsburg  benützen  und  sich  im  Majestätsbriefe  von  1609
günstige,  aber  ebenfalls  unklare  Ausnahmebestimmungen  zu  erringen
  wissen.  Es  ging  ein  Zug  von  Zwietracht  durch  die  Welt,
der  nach  einer  Lösung  durch  die  Waffen  rief;  schon  Anfang  des  17.
Jahrhunderts  schien  die  gewalttätige  Politik  Heinrichs  IV.  von  Frankreich
  einen  allgemeinen  Krieg  hervorrufen  zu  sollen,  da  hat  sein
vorzeitiges  Ende  unter  Mörderhand  noch  ein  paar  Jahre  der  Ruhe
geschaffen.  In  OÖsterreich  und  im  Reiche  ist  gleich  darauf  (von  seinen
Vorgängern  und  der  Entwickelung  der  habsburgischen  Familie  wird
noch  an  anderem  Orte  die  Rede  sein)  ein  ausgleichs=  und  friedenfreundlicher
  Fürst  zur  Regierung  gekommen:  Matthias,  den  wir

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