—  Die  Gegenreformation  47

als  Wiener  bezeichnen  dürfen.  Mit  leichterer  Lebensauffassung,  etwas
  kosmopolitisch  angehaucht,  war  er  mehr  auf  fröhliches  Genießen
  des  Daseins  gerichtet,  ohne  sich  über  den  Ernst  des  Lebens
besondere  Skrupel  zu  machen.  Sein  Vertrauensmann  war  der  Bischof
  von  Wiener-Neustadt,  Khlesl,  ein  kluger  Diplomat,  der  der
sanfteren  Tonart  seines  Herrn  auch  in  religiösen  Dingen  gern  entgegenkam,
  gerade  dadurch  sich  aber  die  Feindschaft  der  anderen  Habsburger
  zuzog.  Es  war  ein  böser  Augenblick  im  Leben  Kaiser  Matthias',
  als  er  erfahren  mußte,  daß  seine  Neffen  eigenmächtig  den
Bischof  hätten  festnehmen  und  in  Gewahrsam  setzen  lassen.  Und
charakteristisch  für  die  Ohnmacht  des  Kaisers  war  es,  daß  er  diesen
Gewaltstreich  sich  gefallen  lassen  mußte.  Matthias  war  kinderlos,
ebenso  waren  es  seine  zahlreichen  Brüder  geblieben,  die  Erbfolge
in  den  österreichischen  Ländern  und  damit  wohl  auch  die  voraussichtliche
  Nachfolge  im  Reiche,  gebührte  nun  seinem  ältesten  Neffen,
Ferdinand  von  Steiermark,  demselben,  der  mit  Energie  die  Wiedereroberung
  seiner  Länder  für  den  Katholizismus  durchgeführt  hatte.
Es  war  vorauszusehen,  daß  er,  einmal  zur  Regierung  gekommen,
in  den  anderen  Ländern,  auch  im  Reiche,  die  Protestanten  energisch
bekämpfen,  ein  Kaiser  der  Gegenreformation  werden  würde.  Es
wäre  ganz  verständlich  gewesen,  wenn  die  Protestanten  sich  gegen
diese  Nachfolge  mit  äußerster  Kraft  gewehrt  hätten,  und  man  muß
sich  wundern,  daß  einzig  und  allein  die  Stände  Böhmens  dazu
den  Mut  fanden.  Dafür  gingen  diese  Herren  recht  tüchtig  ins  Zeug;
sie  hatten  zwar  Ferdinand  bereits  als  König  „angenommen“,  machten
  aber  nun  Versuche,  ihn  wieder  los  zu  werden.  Sie  knüpften  zuerst
  ihrer  konfessionellen  Richtung  entsprechend,  mit  dem  benachbarten
  Kurfürsten  von  Sachsen  an,  der  war  aber  nicht  der  Mann
dazu,  mit  den  Habsburgern  sich  in  Gegensatz  zu  setzen;  so  wandten
sie  sich  an  die  andere  protestantische  Partei  in  Deutschland,  an  die
pfälzisch-kalvinische,  und  da  fanden  sie  einen  jungen  ehrgeizigen  Fürsten,
  Friedrich  V.  von  der  Pfalz,  der  sich  bereit  zeigte,  das  abenteuerliche
  Unternehmen  zu  beginnen.  Er  schien  ein  besonders  glücklicher
Kandidat  zu  sein,  da  er  mit  der  Tochter  König  Jakobs  I.  von  England
  vermählt  war  und  dadurch  wichtige  internationale  Beziehungen
  zur  Verfügung  haben  mußte.  Bevor  noch  diese  Dinge  ins  reine
gekommen  waren,  brach  der  Zwist  in  Böhmen  los.

Unter  Berufung  auf  den  Majestätsbrief  hatten  die  böhmischen--Protestanten
  Kirchenbauten  unternommen,  die  man  von  seiten  der
Wiener  Regierung  nicht  als  rechtmäßig  anerkennen  wollte.  Die