48  Wallenstein

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eine  der  Kirchen  wurde  kurzweg  niedergerissen,  die  andere  sollte  gesperrt
  werden.  Dagegen  erhoben  sich  die  böhmischen  Stände  und
um  ihrer  Gesinnung  einen  drastischen  Ausdruck  zu  geben,  besörderten
  sie  am  23.  Mai  1618  zwei  kaiserliche  Statthalter  und  den
Protokollführer  der  Ratsversammlung  aus  einem  Fenster  der  Natsstube
  in  den  tiefen  Graben,  der  das  Hradschiner  Schloß  umgibt.
Gleichzeitig  rüsteten  sie  ihre  Truppen  und  leisteten  energischen
Widerstand,  als  man  von  Wien  aus  mit  bewaffneter  Hand  Ordnung
schaffen  wollte.  Der  Bürgerkrieg  war  bereits  ausgebrochen,  als
Matthias  seine  Augen  schloß  (20.  März  1619).  Ferdinand  wurde  in
den  Erblanden  als  Herrscher  anerkannt  und  sehr  zur  Überraschung
der  Böhmen  auch  im  Reiche  zum  Kaiser  gekrönt.  Man  hatte  in  Prag
zumindest  nicht  auf  eine  solche  rasche  Wahl  gerechnet  und  mußte
es  erleben,  daß  ziemlich  gleichzeitig  mit  der  Berufung  Friedrichs  V.
zum  König  von  Böhmen  Ferdinand  Kaiser  wurde.  Das  war  ein
Mißgeschick,  das  nicht  mehr  zu  ändern  war,  aber  eine  düstere  Vorbedeutung
  für  das  Königtum  des  Pfälzers  blieb.  Gerade  in  der
Gleichzeitigkeit  dieser  Wahlen  liegt  das  Entscheidende:  man  darf
behaupten,  daß  eine  derselben,  wenn  sie  früher  geschehen  oder  früher
bekannt  geworden  wäre,  auf  die  andere  Einfluß  geübt  hätte.
Mit  Energie  nahm  Ferdinand  II.  den  Kampf  gegen  die  rebellischen
  Böhmen  auf;  ebenso  entschieden  war  sein  Freund  und  Vetter
Maximilian,  der  Herzog  von  Bayern,  zur  Unterstützung  bereit.
Von  seiner  Persönlichkeit  und  seiner  Politik  wird  nachstehend
mehr  die  Rede  sein.  Auch  die  spanische  Linie  der  Habsburger  war
bereit,  mit  den  deutschen  Verwandten  gemeinsame  Sache  zu  machen.
Dagegen  blieb  Friedrich,  der  neue  König  von  Böhmen,  ohne  wesentliche
  Hilfe,  nur  kleine  deutsche  Fürsten  schlossen  sich  ihm  an,
wie  der  Hohenzoller  Georg  von  Jägerndorf,  wie  Christian  von
Braunschweig,  der  Administrator  des  Stiftes  Halberstadt,  wie  Graf
Erust  von  Mansfeld.  Die  großen  protestantischen  Herren,  die  Brandenburger,
  die  Sachsen,  blieben  abseits  stehen,  vorsichtig  abwartend,
wie  sich  das  Duell  zwischen  den  beiden  Königen  von  Böhmen,  dem
angenommenen  und  dem  erwählten,  gestalten  würde.  Auch  England
  versagte  seine  Hilfe;  König  Jakob  war  eine  kleinliche,  knauserige
  Natur,  überdies  hatte  er  Pläne,  die  es  ihm  wünschenswert
erscheinen  ließen,  die  katholischen  Mächte,  besonders  Spanien,  sich
nicht  zu  Feinden  zu  machen.  Nur  der  Fürst  von  Siebenbürgen,
Gabriel  Béthlen,  brachte  dem  Pfälzer  zeitweise  Hilfe,  die  aber,
berechnet  und  eigennützig,  nur  sehr  bedingt  von  Nutzen  war.  In