Der  böhmische  Aufstand  49

Böhmen  selbst  gelang  es  dem  jungen  Paare,  Friedrich  und  Elisabeth,
  nicht  festen  Fuß  zu  fsassen;  der  Sprache  des  Landes  unkundig,
in  steten  Geldverlegenheiten,  dabei  Kalviner,  während  die  Böhmen
Lutherauer  waren,  hatten  sie  eine  überaus  schwierige  Stellung.
Und  als  es  zur  Entscheidung  kam  in  der  Schlacht  am  Weißen  Berge,
8.  November  1620,  da  versagte  die  pfälzisch-böhmische  Armee  völlig.
Nachdem  das  pfälzische  Königtum  in  Böhmen  kaum  ein  Jahr  gedauert
  hatte,  ging  es  zu  Ende,  ein  Winterkönigtum  hat  man  es  genannt.
  Mit  Ausnahme  weniger  Städte,  die  längeren  Widerstand
leisteten,  wie  Pilsen  oder  das  oberlausitzische  Bautzen,  fiel  das  ganze
Land  rasch  in  die  Hände  der  Kaiserlichen.  Friedrichs  Stammland
ging  verloren,  die  Habsburger  und  Maximilian  von  Bayern  teilten
  sich  darein  und  auch  seinen  Anhängern  ging  es  schlecht;  der
Landgraf  von  Jägerndorf  verlor  seinen  Besitz,  wurde  gleich  dem
Pfälzer  in  Acht  getan,  sein  Land  erhielt  der  Fürst  von  Liechtenstein.
  Der  größte  Umschwung  der  Dinge  erfolgte  aber  in  Böhmen,
eine  gründliche  katholische  Reaktion  griff  um  sich.  Die  lutherischen
Lehren  wurden  ausgerottet,  mit  Gewalt  die  Anhänger  durch  Einquartierungen,
  Drangsalierungen  aller  Art  zum  Katholizismus  bekehrt,
  die  lutherischen  Bücher  verbrannt,  mit  Feuer  und  Schwert
wurde  rekatholisiert;  die  Güter  der  Anhänger  Friedrichs  wurden
konfisziert  und  die  kaiserlichen  Generäle  damit  belohnt.  Damals
erwarben  die  Bouquoy  und  die  Liechtenstein  reichen  Besitz  in  Böhmen.
  Die  Rechte  der  Stände  wurden  gewaltig  beschnitten,  in  der
„verneuerten  Landesordnung“  von  1627  kam  das  deutlich  zum
Ausdrucke;  die  Regierung  wurde  in  der  Landtagsstube  allmächtig,
ein  Zustand,  der  bis  zum  Jahre  1848  angedauert  hat.  Hand  in
Hand  ging  damit  eine  nationale  Umkehr  zugunsten  des  Deutschen;
nicht  als  ob  die  Wiener  Regierung  eine  deutsche  gewesen  wäre,  aber
da  lutherisch  und  tschechisch  gleichbedeutend  gewesen  war,  so  mußte
das  Tschechentum  unter  der  Niederlage  des  Protestantismus  leiden.

Nach  der  Schlacht  am  Weißen  Berge  erhielt  ein  kaiserlicher  Oberst
den  Auftrag,  die  nordböhmischen  Städte  wie  Saaz,  Brüx,  Dux  vom
neuen  Glanben  zu  reinigen.  Mit  Erfolg  entledigte  er  sich  dieser  Aufgabe.
  Dieser  Oberst  war  Albrecht  von  Waldstein.

Er  gehörte  dem  alten  Geschlechte  der  Markwarditze  an;  von  einer
Burg  Waldstein  bei  Turnau  führte  seine  Familie  den  Namen.  Sie
hatte  sich  in  verschiedene  Linien  geteilt,  die  eine  davon  war  die
Arnauer  Linie,  die  nicht  sonderlich  mit  Glücksgütern  gesegnet  war.
Ein  Herr  Wilhelm  von  Waldstein  dieser  Linie  vermählte  sich  mit

AdNuch  123:  Weber,  von  Luther  zu  Bismarck.  1.  2.  Ausl.  4