50  Wallenstein

Margarete  von  Smiricky,  die  ihm  das  Gut  Hermannitz  bei  Königinhof
  mitbrachte.  Diesem  Paare  wurde  1583,  hundert  Jahre  nach
Martin  Luther,  ein  dritter  Sohn  geboren,  der  die  Namen  Albrecht
Eusebius  Wenzel  erhielt.  Frühzeitig  starben  Vater  und  Mutter;
der  junge  Albrecht  ward  von  einem  Oheim,  Slawata  von  Koschumberg,
  erzogen,  der,  wie  der  größte  Teil  der  Familie,  der  Lehre  der
böhmischen  Brüder  anhing.  Er  ließ  den  Knaben  zuerst  im  Städtchen
  Chrast  bei  Chrudim  erziehen,  schickte  ihn  1597—99  auf  die
lutherische  Akademie  Goldberg  in  Schlesien,  einer  nicht  sehr  bedeutenden
  Schule,  dann  1599—1600  auf  die  gleichfalls  lutherische
Hochschule  Altdorf  bei  Nürnberg.  Daß  Albrecht  schon  damals,  wie
behauptet  worden,  Katholik  gewesen  sei,  scheint  durch  den  religiösen
  Charakter  dieser  Schulen  widerlegt.  In  Altdorf  führte  er
das  wilde  unbändige  Leben  der  Studenten  seiner  Zeit;  im  Saufen
und  Raufen  suchten  sie  ihr  Höchstes,  auch  die  Professoren  taten  da
gerne  mit;  durch  Studieren  ward  nicht  viel  Zeit  verloren.  Locker
saß  der  Degen  der  jungen  Herren  in  der  Scheide;  rasch  zogen  sie
vom  Leder;  bei  einem  solchen  nächtlichen  Straßenkampfe  wurde  ein
Nürnberger  Patrizierkind  getötet,  dessen  Blut  schrie  um  Rache,
Albrecht  mußte  von  der  Universität  scheiden.  Nun  unternahm  er  in
angemessener  Begleitung  die  für  die  damaligen  jungen  Edelleute
  gebräuchliche  Reise  nach  Deutschland  und  Italien.  In  Bologna
  und  Padua  hat  er  auch  etwas  Jurisprudenz  getrieben;  als  er
heimkehrte,  soll  er  zunächst  in  den  Dienst  des  Markgrafen  von
Burgau,  dem  Sohne  Erzherzog  Ferdinands  von  Tirol  und  der
schönen  Philippine  Welser,  als  Edelknabe  getreten  sein.  Es  wird
dabei  erzählt,  daß  er  eines  Tages  auf  dem  Fenster  der  Burg  in
Innsbruck  eingeschlafen  und  im  Schlaf  heruntergefallen  sei,  ohne
daß  ihm  etwas  geschehen;  aus  Dank  für  den  Schutz  der  Jungfrau
Maria,  den  sie  ihm  offenbar  bei  dieser  Lebensrettung  habe  angedeihen
  lassen,  sei  er  katholisch  geworden.  Diese  unverbürgte  Nachricht
  eines  Biographen  wird  wohl  auch  in  das  Gebiet  jener  Anekdoten
  zu  weisen  sein,  die  nachträglich  schon  in  der  Jugendzeit  großer
Männer  merkwürdige  Taten  und  ungewöhnliche  Ereignisse  aufspüren
  wollen.  Sicher  ist  dieser  Aufenthalt  am  Hofe  des  Burgauers
überhaupt  nicht,  dagegen  wissen  wir  aus  zuverlässiger  Quelle,  daß
er  bald  nach  der  Heimkehr  aus  Italien  sich  dem  Kriegshandwerk
zuwandte,  in  Ungarn  kämpfte  und  endlich  in  die  Dienste  der  böhmischen
  Stände  trat;  wir  finden  ihn  am  Türkenkriege  beteiligt,
der  1606  durch  den  Frieden  von  Szitva-Török  beendet  wurde.  Bis