Wallensteins  Aufkommen  51

dahin  stand  er  in  enger  Verbindung  mit  protestantischen  Adligen,
wie  mit  Karl  von  Zierotin,  der  zwei  Jahre  vorher  Albrechts
Schwester  Katharina  geheiratet  hatte;  dafür,  daß  er  noch  immer
Protestank  war,  spricht  auch,  daß  die  böhmischen  Stände  kaum
einem  andern  als  einem  Lutheraner  ein  Regiment  anvertraut  haben
  dürften.  Nach  dem  Friedensschluß  wendet  er  sich  nach  Mähren;
ein  anderer  Oheim,  der  Katholik  Johann  von  Kian,  scheint  seinen
Einfluß  geltend  gemacht  zu  haben,  Waldstein  tritt  in  Verbindung
mit  den  Olmützer  Jefuiten,  von  denen  besonders  P.  Veit  Pachta,
ein  sehr  kluger  und  gewandter  Mann,  später  Rektor  des  Kollegs
in  Brünn,  stark  auf  ihn  eingewirkt  hat.  Auch  das  Beispiel  seines
Freundes,  Karl  von  Liechtenstein,  der  einige  Jahre  vorher  zum  Katholizismus
  übergetreten  war,  mag  vorbildlich  gewesen  sein.  Dazu
dürfte  die  Erwägung  gekommen  sein,  daß  die  Zukunft  eines  jungen,
nicht  sonderlich  wohlhabenden  Edelmannes  bei  den  jüngeren  Habsburgern
  liege  und  daß  hier  ein  Lutheraner  wenig  Aussicht  habe,  Karriere
  zu  machen.  Kurz,  Anfang  1607  schreibt  sein  Schwager  Zierotin
von  ihm:  „il  va  à  la  messe“;  mehr  wissen  wir  von  seinem  Übertritte
  nicht.  Bald  merken  wir  aber  die  Folgen  desselben.  Durch  Vermittelung
  P.  Pachtas  heiratet  er  1609  eine  ältere  Witwe,  Ludmila
Nekesch  von  Landeck,  die  über  reichen  Besitz  in  Mähren  verfügt.  Ganz
anders  kann  Albrecht  von  Waldstein  nun  als  begüterter  Mann  auftreten;
  er  löst  seine  Beziehungen  zu  Böhmen  und  tritt  als  Feldoberst
in  den  Dienst  der  mährischen  Stände;  seine  Güter  verwaltet  er  in
katholischem  Sinne.  Er  wirtschaftet  nicht  immer  gut,  wir  wissen,
daß  er  genötigt  war,  Meierhöfe  zu  verkaufen,  um  für  seine  Ausgaben
  aufzukommen,  sein  Ehrgeiz  treibt  ihn  dazu,  eine  Rolle  in
der  Welt  zu  spielen,  und  das  kostet  Geld.  Er  kann  sich  auch  nicht  von
den  Lastern  der  Zeit  freihalten,  besonders  nicht  vom  schweren  Trinken;
  er  hat  selbst  zugestanden,  daß  die  Gicht,  die  ihn  bald  stark  zu
plagen  anfing,  vom  vielen  Saufen  käme.

Fünf  Jahre  lang  dauerte  seine  Ehe  mit  Ludmilaj  er  scheint  die
alternde  Frau  in  Ehren  gehalten  zu  haben,  auch  nach  ihrem  Tode  hat
er  ihr  ein  treues  Andenken  bewahrt  und  die  Leiche  einige  Jahre
später  nach  Gitschin  überführen  lassen.  Jetzt,  1614,  konnte  er  allein
über  das  beträchtliche  Vermögen  verfügen  und  sich  mit  seinen  Mitteln
  den  künftigen  Lebensweg  anbahnen.  Noch  immer  dachte  er
an  den  Hofdienst,  aber  nicht  bei  Matthias,  sondern  bei  dem  voraussichtlichen
  Nachfolger,  Erzherzog  Ferdinand.  Er  trat  mit  diesem  in
Verbindung,  und  als  Ferdinand  in  den  nächsten  Jahren  in  einen

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