52  Wallenstein

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Krieg  mit  Venedig  verwickelt  wurde,  da  rüstete  Albrecht  auf  eigene
Kosten  ein  paar  hundert  Reiter  aus,  um  sie  ihm  zuzuführen.  Auch
bei  der  Belagerung  von  Gradisca,  1616,  war  er  beteiligt,  ohne  aber
hier,  ebenso  wie  in  dem  früheren  Türkenkriege,  sich  besonders  hervorzutun.
  Jedenfalls  hat  Erzherzog  Ferdinand  diesen  Eifer  des
mährischen  Adligen  mit  Dank  bemerkt  und  es  dürften  im  ungezwungenen
  Lagerleben  engere  Beziehungen  zwischen  dem  Erzherzog
  und  Waldstein  angeknüpft  worden  sein.

Als  die  Wirren  in  Böhmen  ausbrachen,  bemühten  sich  die  böhmischen
  Stände  angelegentlich,  auch  Mähren  für  sich  zu  gewinnen.
Trotz  der  Abmahnung  einsichtigerer  Männer,  wie  Zierotin,  erklärten
sich  die  mährischen  Stände  bereit,  den  Böhmen  zu  helfen  und  erteilten
  ihrem  Obersten  Waldstein  den  Befehl,  sein  Regiment  nach  Böhmen
  zu  bringen.  Der  Oberst  gehorchte  aber  nicht;  ohne  Rücksicht  auf
seinen  den  Ständen  geleisteten  Treueid  beschloß  er,  sein  Regiment
Ferdinand  zuzuführen.  Nicht  das  ganze  folgte  ihm;  seinen  Oberstleutnant,
  der  Widerstand  leistete,  schoß  er  eigenhändig  nieder,  und
mit  dem  treu  gebliebenen  Teile  und  der  Kriegskasse  der  Stände  erschien
  er  in  Wien.  Starken  Eindruck  mußte  diese  Tat  allenthalben
hervorrufen;  in  Wien  belohnte  man  den  treuen  Mann,  indem  man
ihn  zum  Obersten  über  zwei  Regimenter  zu  Pferd  ernannte;  desto
schärfer  urteilten  seine  Standesgenossen  über  ihn.  Graf  Thurn,
einer  der  Führer  im  böhmischen  Aufstande,  schrieb  von  ihm:  „Gott
hat  die  hoffärtige  Bestie  in  einen  Fehl  fallen  lassen,  desgleichen
von  einem  Kavalier  nicht  bald  erhört  worden  ist“.

An  den  folgenden  Kämpfen,  die  in  der  Schlacht  am  Weißen  Berge
gipfeln,  hat  Waldstein,  von  einem  schweren  Gichtanfall  heimgesucht,
nicht  teilgenommen;  erst,  nachdem  der  Krieg  so  gut  wie  beendet  war,
trat  er  in  Aktion;  wie  wir  gehört  haben,  durch  seinen  Zug  nach
Nordböhmen.

Eine  Bemerkung  über  den  Namen  dieses  Mannes.  Er  lantete
ursprünglich  Waldstein;  diese  Häufung  der  Konsonanten  „ldst“  war
aber  den  nichtdeutschen  Nationen  nicht  bequem;  die  Romanen  schleiften
  sie  ab  in  Valstein,  die  Tschechen  in  Val  tejn,  daraus  ist  dann
Wallenstein  entstanden;  der  General  unterschrieb  sich  verschiedentlich
  mit  beiden  Formen,  wie  man  in  jener  Zeit  überhaupt  für  Orthographie
  keinen  Sinn  gehabt  hat.  Wohl  ist  demnach  der  richtige  Namc
„Waldstein“,  aber  Schiller  hat  die  andere  Form  zu  ewigem  Ruhme
erhoben,  sic  ist  uns  für  diesen  Mann  aus  dem  großen  Geschlechte
geläufig  geworden;  sie  ist  etwas  für  ihn  Individuelles,  Eigenartiges