Sein  Horostop  53

und  deshalb  dürfen  wir  sie  wählen.  Es  hat  viele  bedeutende  „Waldstein“
  gegeben,  aber  nur  einen  „Wallenstein“!

Um  diese  Zeit,  als  er  in  die  Weltgeschichte  eintrat,  erscheint  er  uns
als  ein  großer,  schlanker,  eleganter  Mann,  mit  einem  gelblichen,
schmalen,  scharfgezeichneten  Antlitz,  dessen  scharfe  Augen  mit  unruhigem,
  mißtrauischem  Blick  jedem  in  die  innerste  Seele  zu  schauen
drohten;  der  Sitte  der  Zeit  gemäß  trug  er  einen  Knebelbart.  Er
umgab  sich  schon  damals  gerne  mit  einem  kleinen  Hofstaate,  liebte
es  Pracht  zu  entfalten  und  langsam  mit  Würde  einherzuschreiten,
wozu  ihn  freilich  in  späteren  Jahren  auch  das  Podagra  zwang.  Er
ist  dann  später  immer  zurückhaltender,  argwöhnischer  geworden;
stolz  und  unnahbar  mied  er  den  Verkehr  der  Welt;  seine  Nerven
verlangten  nach  größter  Ruhe,  geringfügige  Dinge,  wie  das  Krähen
cines  Hahnes,  empfand  er  als  grausame  Störung.  Desto  lebhafter
war  sein  Innenleben,  in  kühnen  Träumen  beschäftigte  er  sich  mit
der  Zukunft.  Dazu  bot  ihm  die  Modewissenschaft  seiner  Tage  Gelegenheit:
  die  Astrologie;  frühzeitig  schon  gab  er  acht  auf  der  Sterne
Lauf,  und  liebte  es  aus  ihnen  auf  die  Zukunft  zu  schließen,  seine
kühnen  ehrgeizigen  Gedanken  von  ihnen  gutheißen  zu  lassen.  Auch
wissenschaftlich  gebildete  Astronomen  wiesen  es  nicht  von  sich,  diese
Mode  zu  unterstützen,  denn  die  Saläre  der  Gelehrten  waren  klein
und  sie  lebten  oft  nur  von  dem  „närrischen  Töchterlein“  der  großen
Wissenschaft.  Sie  konnten  aber  diese  Torheit,  die  aus  dem  Stande
der  großen  Planeten  zu  einer  bestimmten  Stunde,  am  besten  bei
der  Stunde  der  Geburt,  das  Schicksal  und  den  Charakter  des  Menschen
  ergründen  wollte,  zu  höherer  Stufe  heben,  wenn  sie  auch  etwas
Kenntnis  und  Beobachtung  der  Menschen  dazu  nahmen.  So  hat  uns
der  gelehrte  Kepler  ein  interessantes  Horoskop  aus  dem  Jahre  1608
über  Wallenstein  hinterlassen,  aus  einer  Zeit,  in  der  also  von  Berühmtheit
  des  Mannes  noch  keine  Rede  sein  konnte.  Da  in  der
Geburtsstunde  Wallensteins  Saturn  und  Jupiter  Regenten  waren,
so  urteilte  der  Astrolog:  „Saturn  macht  müßige  melancholische  Gedanken,
  Verachtung  menschlicher  Gebote,  Sitten  und  Religion,  macht
alles  argwöhnisch  und  verdächtig,  was  Gott  und  die  Menschen  handeln,
  als  wenn  es  lauter  Betrug  wäre.  So  wird  er  auch  unbarmherzig,
  ohne  brüderliche  und  eheliche  Liebe,  geizig,  betrügerisch,  ungleich,
  im  Verkehr  meist  still,  schweigend  und  streitbar  sein.  Mit  reifem
  Alter  wird  seine  ungewöhnliche  Natur  zu  hohen  Sachen  fähig
werden.  Großer  Ehrendurst  und  Streben  nach  zeitlichen  Dignitäten
und  Macht  wird  ihn  auszeichnen.“