54  Wallenstein

Wie  mußten  solche  Vorhersagungen  den  aufs  Große  gerichteten
skrupellosen  Sinn  des  Mannes  aufstacheln  zu  hohen  Wünschen!

Zu  dem  Zusammenbruche,  der  nach  der  Schlacht  am  Weißen  Berge
über  Böhmen  kam,  hat  Wallenstein  trefflich  für  sich  zu  sorgen  verstanden;
  die  konfiszierten  Güter  wurden  meist  um  einen  Spottpreis
verschleudert,  er  hat  da  möglichst  viel  an  sich  gerissen,  schlecht  oder
gar  nicht  gezahlt.  Sehr  wenig  ehrenhaft  hat  er  sich  auch  seinen  Verwandten
  gegenüber  benommen,  besonders  die  Smirickyschen  Erben
schnöde  um  ihr  Erbteil  gebracht.  Hypotheken,  die  auf  erworbenen
Gütern  lasteten,  zu  zahlen,  fiel  ihm  gar  nicht  ein.  Überdies  ist  er
an  einer  sehr  einträglichen  Geldspekulation  damals  beteiligt  gewesen.
  Ein  häufiges  Mittel  der  Fürsten,  sich  Geld  zu  verschaffen,  war
die  Münzverschlechterung,  wir  wissen  es  bereits.  Eine  solche  Manipulation
  wurde  auch  dazumal  in  Böhmen  vorgenommen;  ein  Konsortium
  von  Aristokraten  und  Geldmännern  hatte  sie  durchzuführen.
  Es  bekam  die  Mark  reinen  Silbers  vom  Staate  um  32  Gulden
  verkauft  und  erhielt  das  Recht,  daraus  79  Gulden  zu  prägen,
eine  Erlaubnis,  die  die  Herren  noch  namhaft  überschritten  haben.
Da  die  Kosten  der  Prägung  sich  bei  einer  Mark  auf  fünf  Gulden
beliefen  und  sie  schon  im  ersten  Jahre  vierzig  Millionen  Gulden
prägten,  erhellt  daraus,  was  für  ein  gutes  Geschäft  das  für  jene
Unternehmer  gewesen  ist.  Schließlich  mußte  die  Regierung  diese
Münze  übernehmen  und  sie  auf  ½⅛  des  ursprünglichen  Wertes
herabzusetzen,  um  ihrem  tatsächlichen  Werte  nahezukommen.  Sehr
förderlich  war  es  für  Wallenstein,  daß  sein  Freund  Liechtenstein
Statthalter  von  Böhmen  geworden  war;  neben  ihm  bekleidete  er
den  Posten  eines  Oberkommandierenden  des  Landes.  Da  konnte  es
ihm  nicht  schwer  sein,  überall  seine  Wünsche  durchzusetzen  und  für
alles  ungestraft  zu  bleiben.  Er  hat  jetzt  und  später  für  nahezu  sieben
Millionen  Gulden  Güter  gekauft,  viele  davon  freilich  wieder  verkauft;
  er  hat  seine  Käufe  mit  Vorliebe  so  gewählt,  um  einen  großen
abgerundeten  Besitz  zu  erhalten;  abgelegewe  Güter  hat  er  abgestoßen.
Nicht  weniger  als  acht  Städte  umfaßte  dieser  Güterkomplex:  Aicha,
Friedland,  Gitschin,  Leipa,  Münchengrätz,  Reichenberg,  Turnau,
Weißwasser.  Von  Friedland,  der  nördlichst  gelegenen  Besitzung,
nahm  er  den  Namen,  als  sein  Besitz  1623  zum  Reichsfürstentum  erhoben
  wurde;  damit  kam  er  Liechtenstein  gleich,  der  ja  Fürst  von
Jägerndorf  geworden  war.  Eine  gewaltige  Staffel  hatte  Wallenstein
  erreicht,  aber  nun  wuchs  sein  Ehrgeiz:  zu  einem  mächtigen
Reichsfürsten  wollte  er  sich  erheben  lassen  und  allgemein  anerkannt