Herzog  von  Friedland  55

sollten  sein  Titel  und  seine  Würde  sein.  Er  hat  auch  in  den  nächsten
Jahren  sich  sehr  um  passende  Vermehrung  seines  Besitzes  bemüht;
er  hat  sich  die  schlesischen  Fürstentümer  Sagan  und  Großglogau  verschreiben
  und  sich  1628  mit  Mecklenburg  belehnen  lassen,  dessen
Herzöge  wegen  ihrer  Bundesgenossenschaft  mit  Dänemark  in  die
Reichsacht  erklärt  worden  waren,  er  soll  an  die  Erwerbung  der  Lausitz
  gedacht  haben,  und  hat  auch  nach  Italien  seine  Blicke  gerichtet,
um  dort  festen  Fuß  zu  fassen.

Als  Landesherr  seines  Herzogtums  Friedland  tat  er  alles,  um
seinen  Untertanen  wissen  zu  lassen,  daß  ihr  Fürst  und  Lehensherr
nicht  etwa  Ferdinand,  sondern  Albrecht  heiße.  Reichsunmittelbar,
so  selbständig  als  möglich,  wollte  er  bleiben.  Er  hat  die  Münzhoheit
  ausgeübt,  ein  oberstes  Gericht  eingesetzt,  Hofkanzlei  und  Hofkammer
  eingerichtet,  Gerhard  von  Taxis  zu  seinem  Landeshauptmann
  ernannt,  er  hat  verfügt,  daß  in  seinem  Gebiete  nur  deutsch
geamtet  werde,  „auch  müßt  ihr  zu  der  Kanzlei  einen  deutschen  Sekretarius
  haben,  dieweil  ich  nicht  will,  daß  bei  der  Kanzlei  was  böhmisch
sollte  traktiert  werden“.  Gitschin  betrachtete  er  als  Hauptstadt  seines
Reiches;  durch  schöne  Bauten  hat  er  die  Stadt  ausgezeichnet,  er
wollte  sie  zum  Bistum  und  zur  Universität  machen;  in  der  benachbarten
  Kartause  Walditz  sollte  die  Begräbnisstätte  seines  Geschlechts
sein.  Unermüdlich  sorgte  er  für  die  Bewirtschaftung  seiner  Domänen,
  für  das  Wohl  der  Untertanen;  aus  seinen  Kornkammern,
seinen  Tuchmacherhäusern,  seinen  Waffenfabriken  hat  er  später  seine
Soldaten  versorgt,  damit  einen  doppelten  Zweck  erfüllend,  die  Armee
zu  sichern  und  seine  Produkte  anzubringen.  Daneben  konnte  er  auch
schroff  gegen  seine  Landeskinder  vorgehen  —  beispielsweise  so  gegen
die  Reichenberger  Brauzunft  —,  wenn  er  das  in  seinem  Interesse
gelegen  hielt.  In  gleicher  Weise  hat  er  sich  in  den  wenigen  Jahren,
da  er  Mecklen  burg  zu  verwalten  hatte,  als  Administrator  bewährt.

Auch  in  Prag  hat  er  dafür  gesorgt,  daß  Prachtbauten  mit  seinem
Namen  verknüpft  wurden;  auf  dem  Territorium  einer  kleinen  Stadt
ließ  er  dort  einen  herrlichen  Palast  erbauen  und  einen  großen  Park
aufführen.  Eine  köstliche  Terrasse,  mit  Bildern  vom  trojanischen
Kriege  im  Kostüme  des  17.  Jahrhunderts  geschmückt,  diente  ihm
als  Sommerspeisesaal  und  für  seine  großen  Festlichkeiten  ließ  er  einen
durch  zwei  Stockwerke  reichenden  Prachtsaal  errichten,  der  einem  Kaiser
  hätte  taugen  mögen.  Noch  jetzt  bewundert  der  Fremde,  der  in
Prag  weilt,  den  Palast  des  Friedländers,  in  dem  dieser  mit  einem
Gefolge  von  900  Personen  und  mit  etwa  tausend  Pferden  hauste.