56  Wallenstein

Der  erste  Teil  des  großen  Krieges  war  beendet;  der  Pfälzer  hatte
flüchtigen  Fußes  den  deutschen  Boden  verlassen  und  ein  Asyl  in  England
  gefunden;  der  Siebenbürger  Fürst  hatte  längst  seinen  Frieden
gemacht;  der  Jägerndorfer  war  gleichfalls  heimatlos;  dem  Mansfelder,
  verfolgt  und  unstet,  war  bestimmt  wie  ein  Held  in  Sarajewo
stehend  zu  sterben;  dem  Halberstädter  blieb  nur  mehr  das  Bild  der
heißgeliebten,  schönen  Königin  Elisabeth  von  Böhmen.  Frankreich
hatte  noch  nicht  die  Pläne  Heinrichs  IV.  wieder  ausgenommen;  eben
erst  kam  dort  der  Mann  zur  Macht,  der  dies  einige  Jahre  später  tun
sollte,  Richelieu.  Da  griff  ein  ehrgeiziger  Fürst  des  Nordens,  Christian
  IV.  von  Dänemark,  ein,  um  die  Gelegenheit  zu  benützen,  an
der  Ostsee  festen  Fuß  zu  fassen  und  damit  den  schwedischen  Rivalen
für  alle  Zeiten  zu  überflügeln.  Längst  schon  hatte  es  der  Kaiser
bitter  empfunden,  daß  er  auf  kein  eigentliches  kaiserliches  Heer  sich
stützen  konnte,  daß  das  Heer  der  katholischen  Fürstenpartei,  der
Liga,  ein  bayerisches  Heer  genannt  werden  konnte  und  in  Deutschland
  allmächtig  war.  Sollte  Bayern  jetzt  ganz  allein  die  Verteidigung
  Deutschlands  gegen  Dänemark  überlassen  bleiben?  Aber  woher
  ein  Heer  nehmen  und  es  zahlen,  bei  den  schlechten  Finanzen
Österreichs?  Da  trat  Wallenstein  in  die  Bresche  und  damit  beginnt
seine  welthistorische  Stellung.

Der  Krieg  war  dazumal  ein  Handwerk.  Gewöhnlich  wurde  ein
Heer,  sagen  wir  in  des  Kaisers  Namen,  so  zusammengebracht,  daß
ein  paar  Oberste  Patente  erhielten,  in  verschiedenen  Gegenden  des
Reiches  werben  zu  dürfen.  An  bestimmten  Tagen  wurden  die  Werbetische
  aufgestellt  und  jeder,  der  wollte,  wurde  in  Handschlag  genommen
  und  bekam  ein  Handgeld.  In  Fähnlein  oder  Rotten  zu  300
Mann  zu  Fuß  und  100  Mann  zu  Pferd  wurden  die  Leute  eingeteilt;
jeder  kam  in  beliebiger  Tracht  und  brachte  seine  eigenen  Waffen  mit.
Dann  bestellte  der  Oberst  seinen  Leutnant,  die  Hauptleute  und  deren
Stellvertreter,  zeigte  die  Musterrolle  vor  und  die  Sache  war  fertig.
Es  war  des  Kaisers  Armee,  der  nach  den  Musterrollen  den  Sold  zu
zahlen  hatte;  lief  ein  Soldat  davon,  starb  er,  so  wurde  doch  für  ihn
weiter  gezahlt,  das  war  der  Vorteil  des  Obersten  oder  des  Hauptmanns.
  Solche  nur  in  den  Musterrollen  vorkommende  Söldner
wurden  Passevolanten  oder  Blinde  genaunt;  eine  bestimmte  Anzahl
solcher  Blinder  war  gewohnheitsmäßig  gestattet,  bei  der  Musterung
antworteten  für  sie  tageweise  dafür  gemietete  Leute  oder  sie  wurden
als  krank  gemeldet.  Bei  Erstürmung  einer  Stadt  hatte  jeder  Offizier
  und  Gemeine  seinen  Anteil  an  der  Beute.  Eine  solche  Armee