58  Wallenstein

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Riesenanzahl.  Bald  sprach's  sich  herum,  wie  gut  man  es  beim
Wallensteiner  habe,  nicht  als  kaiserliches  Heer,  sondern  als  Soldaten
Wallensteins  fühlten  sich  die  Leute.

Mit  dieser  Armee  ist  nun  Wallenstein  1625  aufgebrochen;  hat
zuerst  den  Mansfelder  vor  sich  hingescheucht,  später  Mecklenburg  erobert,
  Stralsund  belagert.  Große  Pläne  faßte  er  für  seinen  Herrn
und  Kaiser;  eine  Schiffsmacht  sollte  für  diesen  gegründet  werden,
den  Titel  eines  „Generals  der  ganzen  kaiserlichen  Schiffsarmada  zu
Meer,  wie  auch  des  ozeanischen  und  baltischen  Meeres  General“
ließ  er  sich  verleihen.

Auch  die  Liga  war  glücklich  in  ihren  Kämpfen  sie  besiegte  den  Dänenkönig
  entscheidend,  er  mußte  auf  seine  ehrgeizigen  Pläne  verzichten
  und  war  froh,  den  Frieden  von  Lübeck  schließen  zu  können.
Wallensteins  Unternehmen  auf  Stralsund  gelang  allerdings  nicht;
diese  Stadt  wurde  von  Gustav  Adolf  von  Schweden  genügend  unterstützt,
  um  Widerstand  leisten  zu  können.  Immerhin  war  die  Macht
des  Kaisers  und  der  katholischen  Partei  1629  groß  genug,  um  einen
wichtigen  Schritt  wagen  zu  lassen.  Die  Union  der  protestantischen
Fürsten  und  Städte  war  zersprengt,  man  dachte  nun  in  Wien  daran,
den  Augsburger  Religionsfrieden  wirklich  durchzuführen,  jene  Bestimmung,
  die  den  Protestanten  damals  eine  weitere  Ausbreitung
verboten  hatte,  zur  Wahrheit  zu  machen.  Es  wurde  das  Restitutionsedikt
  verlautbart,  das  die  Rückgabe  der  seit  1555  dem  katholischen
  Besitze  entfremdeten  Güter  forderte.  Das  war  der  schwerste
Schlag,  der  damals  gegen  den  neuen  Glauben  geführt  werden
konnte;  selbst  am  kaiserlichen  Hofe  wurden  Stimmen  laut,  die  vor
der  Tragweite  dieses  Schrittes  warnten;  Wallenstein  hatte  gleichfalls
davon  abgeraten;  es  hätte  aber  dem  Kaiser  eine  Pflichtverletzung
gedeucht,  wenn  er  diese  unzweifelhaft  günstige  Konjunktur  für  die
katholische  Religion  nicht  ausgenützt  hätte.  Um  das  zu  verstehen,
muß  man  des  Kaisers  Charakter  betrachten.

Man  hält  gerne  Ferdinand  II.  für  einen  blindwütigen  Fanatiker.
Er  war  das  nicht;  er  war  ein  leutseliger,  gutmütiger,  schwacher
Mann,  der  in  Finanzsachen  nicht  hauszuhalten  verstand  und  seine
Günstlinge  mit  Gold  und  Gütern  überhäufte,  der  infolge  von  Charakteranlage
  und  Erziehung  sehr  einseitig  gewesen  ist.  Er  hielt  es
für  seine  allererste  Pflicht,  den  katholischen  Glauben  zu  fördern  und
ihm  jeden  Atemzug  seines  Lebens,  jede  Minute  seiner  Regierung
zu  weihen.  Er  ist  tiefgläubig  gewesen;  ging  jeden  Tag  zur  Messe,
hörte  am  Sonntag  mehrere  Predigten,  machte  Prozessionen,  Wall-