660  Wallenstein
Wallensteinischen  Requisitionen  betroffenen  Fürsten  und  Städte  an
des  Kaisers  Hof.  Daß  die  Protestanten  in  Deutschland  gegen  den
Kaiser  nun  stärker  denn  je  auftreten  mußten,  war  begreiflich,  aber
auch  die  Katholiken  begannen  sich  sehr  unbehaglich  zu  fühlen.  Sie
fürchteten,  einen  mächtigen  Kaiser  zu  bekommen,  der  vielleicht  auch
einmal  gegen  ihre  Souveränitätsrechte  vorgehen  könnte,  sie  fürchteten
  noch  mehr  die  Kraft  und  die  Ungebühr  seines  Feldherrn.
Und  so  geht  jetzt  der  Kampf  gegen  Wallenstein  ebensosehr  von  den
katholischen  wie  von  den  protestantischen  Fürsten  aus.  Das  wird
auch  durch  persönliche  Umstände  erklärt.  Von  den  vornehmsten  protestantischen
  Führern  war  der  Pfälzer  unschädlich  geworden,  der
Sachse,  Johann  Georg  I.,  ein  wenig  gefährlicher  Fürst,  der  höchstens
  rein  eigennützige  Vorteile  erreichen  wollte  (das  ist  ihm  bald
durch  die  Erwerbung  der  Lausitzen  gelungen),  der  Brandenburger,
Georg  Wilhelm,  ein  haltloser  unentschlossener  Mann,  der  überdies
ganz  unter  dem  Einflusse  seines  katholischen  und  dem  Kaiser  geneigten
  Ministers  von  Schwarzenberg  stand.  Weitaus  überragte
alle  diese  Männer  der  Herzog,  jetzt  Kurfürst  von  Bayern,  Maximilian,
  er  ist  die  Seele  des  Regensburger  Konvents  gewesen,  der
vom  Kaiser  geradezu  als  Preis  für  eine  weitere  Unterstützung  der
kaiserlichen  Sache  die  Entlassung  Wallensteins  verlangte.  Und  Ferdinand,
  an  dessen  Hofe  sich  bereits  gewichtige  Stimmen  gegen  den
anspruchsvoll  und  übermütig  sich  gebärdenden  General  geltend  gemacht
  hatten,  hat  wohl  keine  Ahnung  gehabt  von  dem  verhäugnisvollen
  Fehler,  den  er  jetzt  tun  sollte.  Nur  von  der  Erwägung  ausgehend,
  daß  er  damit  die  Unterstützung  der  Fürsten  bei  der  Durchführung
  des  Restitutionsediktes  gewänne,  hat  er  in  die  Entlassung
Wallensteins  gewilligt.

Wie  groß  der  Haß  in  den  fürstlichen  Kreisen  damals  schon  gegen
diesen  Mann  gewesen  ist,  zeigt  ein  Schreiben  der  Abtissin  des  Klosters
Buchau  am  Federsee  in  Schwaben,  also  einer  Katholikin,  an  den
erzherzoglichen  Statthalter  in  Tirol,  in  welchem  sie  direkt  die  Ermordung
  Wallensteins  als  etwas  Christliches  und  Nützliches  verlangt.


Es  war  ein  unglücklicher  Augenblick,  in  dem  Wallenstein  als
simpler  Herzog  von  Friedland  in  den  Ruhestand  trat;  wenige  Wochen
  vorher  war  König  Gustav  Adolf  von  Schweden  mit  einem
kampfbereiten  Heere  an  der  deutschen  Küste  gelandet,  um  zu  versuchen,
  was  bem  dänischen  Rivalen  mißlungen  war.  In  jahrelangen
  Kämpfen  mit  Polen,  wo  ebenfalls  die  Wasas  herrschten,  hatte