m—  Seine  Entlassung.  —  Gustav  Adolf  **  61

Schweden  seine  Armee  gestählt;  kriegskundige  Generale  waren  em—
porgekommen  und  tüchtig  und  ehrgeizig  war  ihr  König.  Mit  Polen
  war  durch  französische  Vermittelung  ein  Stillstand  zustande  ge—
kommen;  nachdem  es  bereits  geglückt  war,  durch  die  Eroberung
polnischer  Provinzen  an  der  Ostsee  festen  Fuß  zu  fassen,  sollte  dieser
Versuch  jetzt  an  der  deutschen  Küste  wiederholt  und  der  schwedische
  Ring  an  der  Ostsee  geschlossen,  das  dominium  maris  baltici
für  Schweden  gewonnen  werden,  zugleich  aber,  um  dasselbe  halten
und  schützen  zu  können,  ein  Stück  deutsches  Land  als  Hinterland  und
Stützpunkt  für  die  schwedische  Seemacht.  Besonders  an  der  Nordsee
  sollten  auch  Häsen  erobert  werden,  um  der  dänischen  Einschnürung
  zu  entgehen.  Man  vergesse  nicht,  daß  ja  damals  Norwegen  und
Südschweden,  die  Provinz  Schonen,  noch  dänisch  waren.  Die.  Verträge,
  die  Gustav  Adolf  alsbald  nach  seiner  Ankunft  in  Deutschland
  mit  einzelnen  deutschen  Fürsten,  z.  B.  mit  den  Welfen  abschloß,
  deuten  klar  darauf  hin,  daß  es  ihm  auch  um  Ländererwerb
zu  tun  war.  Daß  die  Unterstützung  der  protestantischen  Religion
gleichfalls  in  seiner  Politik  eine  Rolle  gespielt  hat,  das  ist  sicher,
aber  es  war  gewiß  nicht  die  alleinige.

Die  deutschen  Fürsten  haben  ihn  wenig  begeistert  aufgenommen;
man  wird  das  von  der  brandenburgischen  und  sächsischen  Politik
begreiflich  finden;  aber  auch  die  kleineren  Fürsten,  die  am  meisten
zu  leiden  gehabt  hätten  unter  einer  katholischen  Reaktion,  zeigten
sich  ablehnend  und  unfreundlich;  sie  trauten  offenbar  dem  fremden
Gasté  nicht  und  hatten  keine  Lust,  für  eine  schwedische  Militärmonarchie
  auf  deutschem  Boden  einzutreten.  Ohne  die  erhoffte  Hilfe
der  Deutschen  muß  Gustad  Adolf  seine  Stellung  behaupten;  bald
findet  er  Unterstützung  durch  französisches  Geld  und  französischen
Einfluß.  Richelien  hat  gegen  die  spanische  Macht  in  Italien  und  in
der  Schweiz  1628  losgeschlagen  und  wird  nun  die  Politik  Heinrichs
  IV.  auch  in  Deutschland  fortsetzen.

Der  Schwedenkönig  kann  Pommern,  Mecklenburg  erobern;  er
dringt  in  das  Herz  Deutschlands  vor,  erhält  vom  Brandenburger
als  festen  Platz  Spandau  eingeräumt;  angesichts  des  schwedischen
Heeres  kann  sich  Georg  Wilhelm  dieser  Forderung  nicht  entziehen.
Sachsen  sträubt  sich  noch;  erst  durch  die  Erstürmung  Magdeburgs
durch  Tilly  und  dessen  brandschatzenden  Zug  in  die  sächsischen
Lande  wird  es  dazu  gebracht,  sich  Gustad  Adolf  anzuschließen.  Am
17.  September  1631  schlägt  dieser  das  katholische  Heer  unter  Tilly
bis  zur  Vernichtung  bei  Breitenfeld,  in  der  Nähe  von  Leipzig.