62  *  Wallen  stein  ———

Von  da  wendet  er  sich  durch  Thüringen,  die  Wetterau  an  den  Rhein
und  nimmt  dort  Winterquartiere.  Nun  erfolgt  der  Umschwung
der  Verhältnisse,  der  Wallenstein  wieder  an  die  Bildfläche  bringt.

Mit  den  lebhaftesten  Ausdrücken  des  Wohlwollens  und  der  Gnade
hatte  der  Kaiser  ihn  ziehen  lassen;  ihm  auch  für  Mecklenburg,  das
ihm  die  Fürsten  nicht  gegönnt,  Entschädigung  in  Aussicht  gestellt.
Anscheinend  ruhig,  im  Innersten  aber  tief  gekränkt  und  grollend,
hatte  der  General  seinen  Abschied  entgegengenommen.  Er  mochte
wohl  im  Herzen  fühlen,  daß  seine  Rolle  noch  nicht  ausgespielt  war.
Auf  das  vorsichtigste  hatte  er  seine  Lebensbahn  geebnet:  in  einer
zweiten  Ehe  mit  der  Gräfin  Isabella  Harrach  Anschluß  an  eine
bedeutende  Familie  gesunden,  deren  Haupt  eben  in  Wien  viel  galt.
Enge  Freundschaft  verband  ihn  mit  dem  Fürsten  von  Eggenberg,
der  gleichfalls  in  hoher  Gunst  bei  Kaiser  Ferdinand  stand.  Auch
mit  den  Jesuiten  hatte  er  sich  wohl  verhalten,  ihnen  reiche  Schenkungen
  zuteil  werden  lassen,  sie  auf  seinen  Gütern  bevorzugt.  Er
war  sich  wohl  bewußt,  bedeutend  zu  des  Kaisers  machtvoller  Stellung
  im  Jahre  1629  beigetragen  zu  haben;  viel  Geld  hatte  er
ihm  vorgestreckt,  sehr  billig  die  Armee  unterhalten.  Und  trotzdem
war  er  in  dem  Augenblicke  entlassen  worden,  wo  der  Kaiser  dadurch
andere  Vorteile  zu  erwerben  gedachte.  Er  mußte  sich  sagen,  daß
von  diesem  Monarchen  wenig  zu  hoffen  sei,  daß  man  auf  dessen
Treue  nicht  bauen  dürfe,  daß  es  gut  sein  werde,  sich  ein  künftiges
Mal  größere  Sicherheit  und  besseren  Rückhalt  zu  verschaffen.  Er
hat  jetzt  und  später  seiner  geringen  Meinung  über  den  Kaiser  wiederholt
  Ausdruck  verliehen:  der  Kaiser  achte  mehr  auf  der  Pfaffen
Geschwätz,  als  auf  die  Konservation  seiner  kaiserlichen  Reputation;
der  Kaiser  sei  zwar  ein  frommer  Herr,  er  lasse  sich  aber  von  jedwedem
  Pfaffen  und  Bärenhäuter  anführen  und  verleiten!

Des  Kaisers  Dienst  hatte  er  verlassen;  als  einfacher  Reichsfürst
kehrte  er  zurück  in  seine  Residenzen  Gitschin  oder  Prag.  Wie  ein
Reichsfürst  hat  er  sich  dann  benommen,  nicht  wie  ein  Diener  des
Kaisers,  als  im  Anschlusse  an  den  Sieg  bei  Breitenfeld  die  Sachsen
unter  Arnim  in  Böhmen  einrückten  und  Prag  einnahmen.  Er  ist
mit  ihnen  in  Verkehr  getreten;  man  weiß,  daß  Gustav  Adolf  an
ihn  geschrieben  hat;  auch  die  böhmischen  Exulanten,  die  seit  der
Katastrophe  Friedrichs  von  der  Pfalz  ihre  Heimat  hatten  verlassen
müssen  und  die  von  Heimkehr,  von  Rache  an  dem  Habsburger,  von
einem  nationalen  Königreich  Böhmen  träumten,  richteten  ihre  Blicke
auf  ihn.  Sie  hatten  noch  genug  Freunde,  die  im  Lande  zurückge-