Das  zweite  Generalat  63

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blieben  waren.  Es  wäre  aber  müßig,  zu  glauben,  daß  damals  schon
Wallenstein  irgendeine  engere  Anknüpfung  mit  des  Kaisers  Feinden
gesucht  hätte.  Am  sympathischsten  war  ihm  jedenfalls  Sachsen;  mit
dessen  General  Arnim  hatte  er  schon  früher  verkehrt;  auch  die  politische
  Haltung  Johann  Georgs  war  ihm  genehm.  Dieser  hatte,
bevor  er  sich  an  Schweden  hatte  anschließen  müssen,  daran  gedacht,
eine  dritte  Partei,  eine  Friedenspartei,  in  Deutschland  zu  gründen.
Und  das  war  im  Grunde  auch  das,  was  der  Friedländer  sich
wünschte:  vermittelnd  auftreten  zu  können,  die  Nichtdeutschen  aus
Deutschland  herauszudrängen  und  dabei  sich  eine  große  Stellung
zu  schaffen.  Auf  welchem  Lande,  auf  welcher  Würde  diese  basieren
sollte,  das  weiß  man  nicht  und  wird  es  nie  wissen,  denn  nie  hat
der  Friedländer  andere  in  seiner  Seele  lesen  lassen.  Gerechten  Argwohn
  hegte  er  gegen  Gustav  Adolf,  in  dem  er  einen  gefährlichen
Rivalen  merkte  und  mit  dem  er  nichts  zu  tun  haben  wollte:  „es
können  nicht  zwei  Hahnen  auf  einem  Miste  sein“,  meinte  er  einst.

Nach  dem  Zusammenbruche  des  ligistischen  Heeres  bei  Breitenseld,
  nach  dem  Siegeszuge  des  Schweden  durch  Deutschland,  nach
der  Einnahme  Böhmens  durch  die  Sachsen,  war  aber  die  kaiserliche
  und  katholische  Sache  in  arge  Bedrängnis  geraten.  Binnen
zwei  Jahren  war  alles  anders  geworden,  die  deutschen  Protestanten
standen  unter  schwedischer  und  französischer  Hilfe  mächtig  da,  die
Katholiken  hatten  ihr  Heer  verloren,  von  dem  Restitutionsedikt
durfte  im  Augenblicke  keine  Rede  sein:  der  einzige  Mann,  der  retten
konnte,  dadurch  daß  er  wieder  ein  Heer  hervorzauberte  und  es  anführte,
  war  Wallenstein.  Ihn  zurückzurufen  rieten  in  Wien  Jesuiten
  und  Spanier,  rieten  die  deutschen  Ratgeber  des  Kaisers;  auch
Maximilian  von  Bayern  konnte  sich  diesem  Zwange  nicht  entziehen.
Ebenso  gefügig  wie  Ferdinand  Wallenstein  entlassen  hatte,  holte
er  ihn  zurück.  Nur  daß  Wallenstein  jetzt  sehr  spröde  tat  und  zuerst
nichts  davon  wissen  wollte,  seine  Abgeschiedenheit  wieder  aufzugeben.
  Man  wird  dieses  Zaudern  richtig  verstehen  müssen:  er  wollte
Sicherheit  und  Rückhalt  haben,  er  wollte  sich  nicht  noch  einmal  der
Gefahr  aussetzen,  beiseite  geschoben  zu  werden.  So  war  er  zuerst  sehr
zurückhaltend,  erklärte  sich  über  vieles  Drängen  höchstens  dazu  bereit,
  das  Heer  zu  werben,  und  als  der  Zauber  seines  Namens  wieder
wirkte  und  binnen  kurzem  Tausende  und  Tausende  unter  seine  Fahnen
  strömten,  da  kostete  es  die  höchste  Anstrengung,  um  ihn  dazu
zu  bringen,  das  Heer  auch  zu  befehligen.  Wiederholten  persönlichen
  Bemühungen  seines  Freundes  Eggenberg  gelang  es  endlich.