**  Nürnberg  und  Lützen  65

Adolf  auf  deutschem  Boden  weilte,  war  überhaupt  für  seine  kühneu
  Pläne  nichts  zu  hoffen.  So  schlug  er  energisch  auf  den  Feind
los;  die  Sachsen  wurden  aus  Böhmen  hinausgetrieben,  Prag  leicht
erobert.  Währenddem  war  der  Schwede  vom  Rhein  nach  Bayern
zurückgekommen,  hatte  den  sich  ihm  entgegenstellenden  Tilly  am
Lech  völlig  geschlagen;  der  ligistische  Feldherr  war  an  den  Folgen
einer  in  dieser  Schlacht  erhaltenen  Wunde  gestorben.  Darauf  nahm
Gustav  Adolf  München  ein  und  belagerte  den  bayrischen  Kurfürsten
in  Ingolstadt.  Wallenstein  erlebte  den  Triumph,  daß  Maximilian
selbst  ihn  zur  Hilfe  ins  Land  rief.  Er  folgte  dem  Rufe.  Gustav
Adolf  gab  die  Belagerung  auf  und  stellte  sich  dem  Gegner;  in  der
Nähe  von  Nürnberg,  bei  Fürth,  bezogen  die  beiden  befestigte  Lager.
Wer  auf  der  „alten  Veste“  bei  Fürth  steht,  übersieht  die  reizende
Gegend,  in  der  in  heißen  Sommerwochen  damals  gekämpft  wurde.
Zur  offenen  Feldschlacht  ließ  sich  Wallenstein  nicht  zwingen;  Angriffe
  auf  sein  wohlverschanztes  Lager  mißrieten,  so  mußte  Gustav
Adolf  aus  Mangel  an  Lebensmitteln  endlich  abziehen.  Mit  Recht
konnte  der  kaiserliche  General  ihm  höhnisch  nachsagen,  der  König
habe  sich  bei  dieser  Impresa  gewaltig  die  Hörner  abgestoßen.  Nach
dem  Abzuge  der  Schweden  rückte  Wallenstein  gegen  das  wehrlose
Sachsen  los,  dessen  Armee  nach  Schlesien  abgezogen  war.  Er  brandschatzte
  die  sächsischen  Lande  auf  das  furchtbarste;  klar  mußte  ihrem
Fürsten  es  gemacht  werden,  was  für  ein  rachsüchtiger,  gefährlicher
Feind  der  Friedländer  sei  und  wie  es  das  klügste  wäre,  mit  ihm
sich  zu  vertragen.  Aber  anstatt  Friedensanträge  zu  stellen,  riefen
Johann  Georg  und  sein  Arnim  den  Schwedenkönig  zu  Hilfe.  Dieser
eilte  flugs  herbei  und  auf  der  blutgetränkten  Ebene,  die  Leipzig
umgibt,  bei  Lützen,  kam  es  zur  Schlacht  (16.  November  1632).  Sie
blieb  unentschieden;  zwar  behaupteten  die  Schweden  das  Schlachtfeld
  während  der  Nacht,  aber  sie  erlitten  den  größten  Verlust,  den
sie  erleiden  konnten:  ihr  König  fiel.  Damit  war  Wallensteins  gefährlichster
  Gegner  aus  der  Welt  geschafft.  Freilich,  wenn  man  gehofft
hatte,  daß  Schweden  überhaupt  jetzt  aus  dem  Kriege  ausscheiden
werde,  sah  man  sich  arg  enttäuscht.  In  zielbewußter  Weise  wird  die
schwedische  Politik  durch  den  Kanzler  Oxenstjerna  weitergeführt,  tüchtige
  Generäle  treten  des  Königs  militärische  Erbschaft  an.  Ein  deutscher
  Fürst,  zugleich  schwedischer  General,  hofft  durch  schwedische  und
französische  Hilfe  —  welch  letztere  sich  immer  aufdringlicher  bemerkbar
  macht  —  in  Deutschland  ein  großes  Fürstentum  zu  gründen:
Herzog  Bernhard  von  Sachsen-Weimar.
ANMne#  133:  Weber,  von  Luther  zu  Bismarck.  I.  2.  Aufl.  5