66  Woallenstein

Die  Kriegsereignisse  des  nächsten  Jahres  sind  rasch  erzählt.  Wallenstein
  geht  zuerst  nach  Böhmen  zurück;  hält  strengstes  Strafgericht
über  seine  Offiziere,  die  angeblich  bei  Lützen  ihre  Schuldigkeit  nicht
getan  hatten,  und  ergänzt  sein  Heer.  Dann  bleibt  er  lange  untätig
stehen;  währenddem  breiten  die  Schweden  und  Bernhard  ihre  Herrschaft
  aus;  die  Stifte  Bamberg  und  Würzburg  werden  von  letzterem
  besetzt,  im  November  1633  wird  Regensburg  eingenommen:
das  Donautal  liegt  vor  ihm  offen;  der  Vormarsch  nach  Österreich,
gegen  Wien  zu,  wird  möglich.  Kurz  vorher  war  Wallenstein  plötzlich
  losgebrochen,  nach  Schlesien  hinein;  bei  Steinau  hatte  er  Sachsen
  und  Schweden  überfallen  und  ihnen  schwere  Verluste  beigebracht.
Jetzt  wird  er  dringend  nach  der  Donau  gerufen,  um  den  Vormarsch
Bernhards  zu  hemmen.  Er  folgt  anscheinend  dem  Befehle,  rückt
mitten  im  Winter  bis  an  das  Fichtelgebirge  und  den  Böhmerwald,
  macht  da  plötzlich  halt,  angeblich  vor  der  Strenge  des  schneereichen
  Winters,  der  weiteres  Vorrücken  untunlich  erscheinen  läßt,
geht  dann  sogar  bis  Pilsen  zurück,  wohin  er  auch  seine  Truppen
konzentriert,  deren  äußerste  Posten  in  Prag  und  Eger  liegen.  In
Wien  hatte  man  Grund,  über  das  Verhalten  des  Generals  in  diesem
  Kriegsjahre  sehr  ungehalten  zu  sein.  Statt  wie  man  erwartet
hatte,  die  durch  den  Tod  des  Schwedenkönigs  geschaffene  günstige
Lage  auszunützzen,  hatte  er  untätig  kostbare  Monate  verstreichen
lassen.  Nichts  war  gegen  Bernhard  von  Weimar  unternommen,  nicht
einmal  der  Sachse  war  zum  Frieden  gezwungen  worden;  statt  daß
das  Feindesland  sein  Heer  ernährte,  mußten  österreichische  Provinzen
  die  ungeheuren  Kosten  dafür  aufbringen.  Nach  monatelanger
Untätigkeit  war  endlich  der  Schlag  von  Steinau  geführt  worden;
aber  auch  das  blieb  ein  Schlag  ins  Wasser;  es  schien,  als  ob  Wallenstein
  nur  im  Sinne  hätte,  sein  eigenes  Herzogtum  Friedland  zu
schützen.  Dann  kam  der  Vormarsch  gegen  Bernhard,  abermals  konnte
man  eine  große  Waffentat  erwarten,  neuerlich  sah  man  sich  enttäuscht;
  plötzlich  zog  er  sich  zurück,  statt  zum  mindesten  eine  den
Weimarer  bedrohende  Stellung  einzunehmen.  Selbst  Wallensteins
Freund,  Eggenberg,  urteilt  damals:  „diese  Resolution  des  Friedländers,
  daß  er  gleichsam  in  Angesicht  des  Feindes  zurückgezogen,
könne  kein  Mensch  gutheißen.  Des  Herzogs  Rückzug  ..  sei  das
schädlichste,  gefährlichste  und  unbedachtsamste  Werk,  was  der  Herzog
  jemals  getan  habe.“  Da  hatten  auch  die  Gegner  Wallensteins
am  Wiener  Hofe  leichtes  Spiel;  sie  verlangten,  daß  ein  Gegengewicht
  gegen  seine  militärische  Allmacht  geschaffen  werde:  es  wurde

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