Seine  Haltung  im  Jahre  1633  67

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beschlossen,  aus  Italien  ein  zweites  Heer  unter  dem  Kardinal-Infanten
  von  Spanien,  Ferdinand,  dem  Bruder  König  Philipps  IV.,
nach  Deutschland  zu  schicken.  Zur  Stärkung  desselben  und  zur  Schwächung
  des  eigenen  sollte  Wallenstein  einen  Teil  seiner  Truppen  unter
  General  Gallas,  sechstausend  Reiter,  abgeben.  Das  war  eine
offenbare  Verletzung  des  Göllersdorfer  Vertrags.  Überdies  hatte
Wallenstein  seinen  Vollmachten  entsprechend  mit  den  Sachsen  Verhandlungen
  angeknüpft,  was  gleichfalls  in  Wien  ihm  zu  Lasten  geschrieben
  worden  war.  Gestützt  auf  Vermutungen,  Verdächtigungen,
  beeinflußt  durch  die  sonderbare  militärische  Haltung  des  Generals,
  wurde  in  Wien  die  Behauptung  aufgestellt,  Wallenstein  sinne
Verrat  am  Kaiser  und  in  steigender  Erregung  ward  beschlossen,  sich
dagegen  zu  schützen,  seine  Untergeneräle  der  kaiserlichen  Sache  zu  sichern
  und  ihn  seines  Kommandos  zu  entkleiden,  ja  sich  seiner  für  alle
Fälle  zu  bemächtigen.  Bei  dieser  Stufenleiter  des  Verhaltens  des
Wiener  Hofs  und  seiner  Anschauungen  über  den  Friedländer  kann  es
nicht  überraschen,  wenn  man  endlich  dort  auf  der  letzten  Stufe
anlangt:  dem  Befehle,  ihn  lebendig  oder  tot  zu  ergreifen.

Es  ist  zweifellos,  daß  der  Herzog  bald  nach  der  Schlacht  bei  Lützen
wirklich  mit  den  Gegnern  des  Kaisers  in  Verbindung  getreten  ist,  mit
den  Sachsen,  den  Schweden,  den  böhmischen  Emigranten.  Das  war
wie  gesagt  sein  Recht  gewesen.  Allerdings  hatte  man  im  Göllersdorfer
  Vertrage  von  kaiserlicher  Seite  doch  nur  an  Verhandlungen
denken  können,  die  im  Sinne  kaiserlicher  Politik  geführt  würden;
und  es  ist  doch  sehr  die  Frage,  ob  Wallenstein  jetzt  1633  noch  viel
Rücksicht  auf  den  Kaiser  genommen  hat.  Er  treibt  seine  eigene  Politik.
  Sie  läßt  sich  wohl  am  besten  durch  die  Worte  charakterisieren,
die  er  damals  zu  dem  Vertreter  der  Böhmen,  zu  Oberst  Bubna,
sprach:  „Sind  wir  nicht  Erzlappen,  daß  wir  einander  die  Köpfe  zerschmeißen
  um  anderer  willen,  da  wir  uns  doch.  ..  Frieden  machen
könnten?“  Kein  Zweifel,  er  will  Frieden  im  Reiche  haben;  er  sieht
nichts  Gutes  voraus  für  Deutschland  und  Österreich  von  einem  verlängerten
  Kriege,  in  den  sich  das  Ausland,  Schweden,  Frankreich,
aber  auch  Spanien  immer  mehr  einmischen  konnte.  Ebensowenig
als  Wallenstein  jemals  Tscheche  gewesen  ist,  war  er  aber  darin  etwa
nationaler  Deutscher  und  prinzipieller  Fremdenhasser;  nur  aus
staatlichen,  politischen  Gründen  wollte  er  den  Ausgleich  innerhalb
des  Reiches  ohne  das  Ausland  geschaffen  wissen.  Er  hat,  wie  die  folgenden
  schrecklichen  Kriegsjahre  gelehrt  haben,  mit  seinem  Friedenswunsche
  unbedingt  recht  gehabt.  Er  hatte  auch  recht  in  der  Empfin-57

