Die  Katastrophe  von  Eger.  —  Das  alte  Bayern  71

—  —

Seine  kühnen  Berechnungen  erweisen  sich  als  trügerisch,  vergebens
verlangt  er  von  der  Mitwelt  Eigenschaften,  die  sie  nicht  hat  und  die
auch  er  nicht  kennt.  „Die  Sterne  lügen  nicht“,  läßt  ihn  Schiller  sagen;
  er  selbst  hat  die  Sterne  zu  Lügnern  gemacht,  da  er  ihnen  Gedanken
  angedichtet,  die  nur  er  allein  gehegt.  Mit  ihm  ging  das  Große
unter,  das  er  den  deutschen  Landen  schenken  wollte,  die  Hoffnung  auf
Frieden:  noch  vierzehn  Jahre  tobte  der  männermordende  Krieg  auf
deutscher  Erde,  zu  furchtbarem  Unheil  unserem  Vaterlande!

IV.
Mazimilian  von  Bapern.

Wir  haben  gesehen,  wie  gewaltig  die  protestantische  Propaganda
in  Deutschland  gewirkt  hat,  wie  mühsam  erst  die  Katholiken  wieder
verlorenes  Gebiet  zurückerobern  konnten;  wir  haben  gesehen,  wie
der  religiöse  Gegensatz  zur  Entscheidung  durch  die  Waffen  hin  gedrängt
  hat  und  in  diesem  Kriege  durch  die  Genialität  eines  Mannes,
Wallensteins,  die  kaiserliche  Autorität  beinahe  einen  vollständigen
Sieg  gefeiert  hätte.  Wir  wenden  unseren  Blick  nun  nach  einem  Fürstentum
  hin,  das  es  verstanden  hat,  die  Reformation  sich  ferne
zu  halten,  das  als  leidenschaftlicher  Rivale  der  Habsburger  in  der
deutschen  Politik  uns  entgegentritt,  dem  es  aber  doch  nicht  bestimmt
gewesen  ist,  die  Erbschaft  der  Habsburger  anzutreten:  Bayern.

Ein  altes  deutsches  Stammesherzogtum,  gerät  es  in  die  Hand  der
Welfen,  die  damit  eine  Zeitlang  die  Aussicht  haben,  sich  im  Norden
und  Süden  des  Reiches  festzusetzen.  In  den  Kämpfen  Friedrich  Barbarossas
  versagen  sie  aber  und  Bayern  wird  ihnen  weggenommen:
am  16.  September  1180  der  Pfalzgraf  Otto  von  Wittelsbach  mit  dem
Herzogtume  belehnt.  Das  war  ein  uraltes  bayrisches  Geschlecht,  das
sich  zuerst  Grafen  von  Schleyern,  später  aber  nach  der  Burg  Wittelsbach
  bei  Aichach  genannt  hat;  1115  kommt  letzterer  Name  zuerst  urkundlich
  vor.  Das  damalige  Bayern  hatte  sich  nach  dem  Süden  über
tirolisches,  vornehmlich  aber  weit  in  den  Osten  hinein  über  österreichisches
  Gebiet  erstreckt.  Diesen  Umfang  gelang  es  nicht  zu  behaupten,
  namentlich  die  österreichischen  Teile  gingen  verloren.  Im
Jahre  1255  trat  die  erste  Teilung  in  der  Wittelsbacher  Familie  ein,
in  die  Pfalz  und  das  eigentliche  Bayern.  Das  Unglück  des  Geschlechtes
  wollte  es,  daß  diese  beiden  Linien  fast  stets  in  schärfstem  Gegensatze
  zueinander  standen.  Während  zuerst  beide  an  den  Kaiserwahlen
teilnahmen,  wurde  dem  Bayern  die  Wahlstimme  später  genommen