74  Maximilian  von  n  Bayern

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sonderung  heraus  in  ihre  Mitte  treten,  mit  ihnen  disputieren,  sie
von  der  Kanzel  aus,  im  Beichtstuhle,  die  Jugend  vornehmlich  in
der  Schule  schon  gewinnen.  Gelehrte  und  fromme  Männer  müßten
  das  tun:  wer  veredeln  und  bessern  will,  muß  selbst  besser  und
edler  sein,  als  die  anderen.  Wie  Luther  seine  Lehren  leicht  faßlich
dargestellt  hatte,  so  taten  es  auch  die  Jesuiten  in  ihrem  kleinen
Katechismus,  dessen  Verfasser  der  holländische  Jesuit  Canisius  gewesen
  ist.  Es  gelang  ihnen,  sich,  man  darf  fast  sagen,  herrenloser
oder  gänzlich  heruntergekommener  Schulen  zu  bemächtigen,  wie  der
Wiener  Hochschule;  sie  machten  in  Prag  einen  gänzlich  brachliegenden
  Boden  urbar,  sie  errichteten  ein  neues  Kolleg  in  Köln,  1549
kamen  sie  nach  Ingolstadt,  wo  ihnen  die  1472  errichtete  Universität
  eingeräumt  wurde.

Da  schrieb  Canisius  an  einen  Kölner  Ordensgenossen:  „Wir  haben
  ein  Nest  gefunden,  das  groß  genug  ist,  Dich  und  noch  mehr  Vögel
aufzunehmen.  Der  Käfig  ist  fertig,  jetzt  brauchen  nur  die  Küchlein
von  allen  Seiten  hereinzufliegen,  die  wir  zum  Dienste  aufpflegen
und  zu  einem  Federvolk  machen  können,  das  Deutschland  zu  nützen
vermag.“  Nun  an  den  Küchlein  hat  es  nicht  gefehlt!

Unter  der  Regierung  Albrecht  V.  (1550—79)  ist  in  kirchlicher  Hinsicht
  zuerst  ein  konzilianter  Zug  zu  bemerken;  ebenso  wie  sein  Schwiegervater
  Ferdinand  ist  er  mehr  versöhnlich  gestimmt  gewesen,  man
hat  diese  Richtung  mit  dem  Worte  „Kompromißkatholizismus“  bezeichnet;
  bald  schlägt  aber  die  Stimmung  um.  Auch  in  Bayern,
wie  etwa  in  Österreich,  haben  die  Stände  mit  dem  Kampfe  um  die
Religionsfreiheit  den  Kampf  um  die  ständischen  Vorrechte  den  Fürsten
  gegenüber  verbunden.  Ebenso  richtig  ist  es,  zu  sagen,  daß  es
sich  den  Fürsten  bei  den  Glaubenskämpfen  zugleich  darum  gehandelt
hat,  die  Selbständigkeit  der  Untertanen  einzuschränken,  sie  wollen
die  Herren  werden  und  bleiben  und  ebenso  wie  sie  auf  die  religiösen
Gefühle  der  Untertanen  Einfluß  nehmen,  so  wollen  sie  pekuniär
von  ihnen  unabhängig  werden,  sich  nicht  durch  Rücksicht  auf  sie  in
ihren  Regierungshandlungen  binden  lassen.  Religiöse  und  weltliche
Momente  sind  da  unzertrennlich  miteinander  verbunden.  Eine  Zeitlang
  will  die  bayrische  Regierung  der  neuen  Lehre  entgegenkommen,
sie  beantragt,  ihr  den  „Laienkelch“  einzuräumen;  bald  aber  fürchtet
Albrecht  eine  allgemeine  Adelsverschwörung  gegen  sein  absolutes
Regiment  und  das  veranlaßt  ihn,  nun  auch  in  religiösen  Dingen
schärfere  Maßregeln  zu  ergreifen.  Unterstützt  wird  dieser  Umschwung
durch  die  großartige  Sammlung,  die  sich  im  Katholizismus  dadurch.