Albrecht  V.;  Wilhelm  V.  75

vollzieht,  daß  endlich  das  lange  gewünschte  und  schon  lange  eröffnete
Konzil  in  Trient  seine  Aufgabe  beendet  und  das  dogmatische  Lehrgebäude
  der  katholischen  Kirche  aufs  neue  festigt.  In  dem  tridentinischen
  Glaubensbekenntnisse  wird  ein  Schlachtruf  für  die  katholische
Welt  gefunden,  der  einigend  und  reinigend  auf  sie  einwirkt.  Im
Jahre  1569  wird  der  Eid  auf  dieses  Glaubensbekenntnis  für  Bayern
  vorgeschrieben,  ein  Religionstribunal  soll  über  die  Rechtgläubigkeit
  wachen,  ein  Büchermandat  sorgt  für  die  Unschädlichkeit  der  erlaubten
  Bücher,  eine  Schulordnung  unterstellt  die  Schule  der  weltlichen
  Oberaufssicht.  Begreiflich,  daß  alle  diese  Maßnahmen,  die  mit
Zustimmung  der  Kurie  geschehen,  die  Macht  des  bayrischen  Fürstentums
  außerordentlich  stärken  mußten.  Der  alte  Groll  gegen  die
Landesbischöfe  Freising,  Passau,  Regensburg,  Eichstätt,  Augsburg,
von  den  nördlichen  Würzburg  und  Bamberg  nicht  zu  reden,  die  sich
in  alter  Zeit  vom  Landesherrn  unabhängig  gemacht  hatten,  wurde
wesentlich  durch  diese  Stärkung  des  Herzogtums  gemildert.

Albrechts  Regierung  ist  auch  sonst  für  Bayern  von  Bedeutung  gewesen;
  er  war  ein  kunstfroher  und  kunstverständiger  Fürst,  der  in
schönen  Bauten  seinen  Namen  verewigt  hat,  der  für  Sammlungen,
  die  später  München  zu  großer  Berühmtheit  verholfen  haben,  den
Grund  gelegt  hat,  so  zur  umfangreichen  Hof=  und  Staatsbibliothek,
für  die  er  beispielsweise  die  griechischen  Handschriften  eines  Johann
Jakob  Fugger  angekauft  hat.  Unter  seinem  Sohne  Wilhelm  V.  wird
sein  Regiment  fortgesetzt,  dieser  verbindet  Sinn  und  Liebe  für  die
bildenden  Künste  mit  strengster  Kirchlichkeit;  seine  Unfähigkeit  mit
seinen  Mitteln  auszukommen,  brachte  ihn  aber  dem  Staatsbankerott
nahe  und  veranlaßte  ihn  schon  1594,  seinen  Sohn  Maximilian  als
Mitregenten  anzunehmen,  vier  Jahre  später  dann  zu  dessen  Gunsten
auf  die  Regierung  zu  verzichten.  Damit  beginnt  die  langandauernde
Herrschaft  dieses  Mannes  (1598—1651),  die  nicht  nur  für  Bayern,
sondern  auch  für  Gesamtdeutschland  von  größter  Bedeutung  geworden
  ist.

Es  ist  bereits  erzählt  worden,  daß  der  Gegensatz  zwischen  den
Konfessionen  in  Deutschland  sich  seit  dem  trügerischen  Religionsfrieden
  von  Augsburg  immer  mehr  gesteigert  hatte;  die  deutschen
Protestanten  hatten  sich  in  der  ersten  Hälfte  des  16.  Jahrhunderts
derart  daran  gewöhnt,  ungestört  ihre  Macht  zu  vermehren,  daß  sie
nichts  davon  wissen  wollten,  jetzt  darin  beschränkt  zu  sein  und  es
geradezu  als  ein  bitteres  Unrecht  empfanden,  als  die  Katholiken
ihrerseits  zu  erobern  anfingen,  d.  h.  zurückgewinnen  wollten,  was