76  Maximilian  von  Bayern

lie  verloren  hatten.  Die  pfälzische  Aktionspartei  sah  ihr  Hauptziel
darin,  das  zu  verhindern;  zum  Schutz  ihrer  bedrohten  Interessen
wollte  sie  die  Gleichgesinnten  zusammenfassen.  Gegen  solche  Pläne
mußten  auch  die  Katholiken  sich  schützen  und  wiederholt  wurden
Versuche  gemacht,  eine  katholische  Allianz  zusammenzubringen,
Versuche,  die  immer  wieder  mangels  eines  geschickten  Führers  scheiterten.
  Auch  an  den  jungen  Herzog  Maximilian  traten  solche  Forderungen
  heran,  er  widmete  sich  aber  in  den  ersten  Jahren  seiner
Regierung  nur  den  dringenden  Aufgaben,  die  seiner  im  Innern  Baherns
  harrten,  und  trieb  eine  höchst  zurückhaltende  Politik.  Da  riß
ihn  die  Donauwörther  Angelegenheit  aus  seiner  Zurückhaltung  heraus.
  Die  freie  Reichsstadt  Donauwörth  war  ein  wichtiger  Posten  an
der  Donau,  sie  beherrschte  den  Ubergang  über  den  Strom,  dort,  wosich
die  Wörnitz  in  denselben  ergießt,  sie  lag  an  der  Grenze  des  bayrischschwäbischen
  Gebietes,  war  daher  ein  bequemes  Ausfallstor  für  die
bayrische  Macht.  Lange  hatten  die  bayrischen  Herzöge  bereits  nach
dieser  Reichsstadt  ausgelugt,  es  ist  begreiflich,  daß  sich  jetzt  Maximilian
  die  Gelegenheit,  sich  derselben  zu  bemächtigen,  nicht  entgehen
  ließ.  Streitigkeiten  zwischen  der  protestantischen  Mehrheit  und
der  katholischen  Minderheit  waren  hier  anfangs  des  17.  Jahrhunderts
  entstanden,  bei  denen  die  Protestanten  die  ganze  Unduldsamkeit
  jener  Zeit  gezeigt  haben.  Die  Gegensätze  zwischen  den  Konfessionen
  waren  noch  zu  groß,  als  daß  sie  ein  ruhiges  Nebeneinander
gestattet  hätten.  Auch  die  Katholiken  sind  natürlich  nicht  von  Schuld
freizusprechen,  da  sie  durch  öffentliche  Ausübung  ihres  Kults  über
den  bisherigen  Gebrauch  hinaus  die  Gemüter  ihrer  Gegner  erregt
hatten.  Es  kam  zu  ärgerlichen  Kämpfen,  die  die  Katholiken  an
Leib  und  Leben  gefährdeten,  es  kam  zu  Klagen  beim  Reichshofrate,
der  die  Interessen  derselben  wahrnahm  und  auf  Abstellung  ihrer
Beschwerden  bedacht  war.  Da  der  Rat  der  Stadt  keine  Ordnung
schaffen  wollte  oder  konnte,  so  erhielt  schließlich  der  Herzog  Maximilian
  den  Auftrag,  die  Ruhe  in  Donauwörth  wiederherzustellen.
Gerne  kam  er  demselben  nach,  besetzte  die  Stadt,  machte  der  Herrlichkeit
  des  Rates  ein  Ende,  und  bekam  zwei  Jahre  darauf  die
Stadt  vom  Kaiser  verpfändet.  Der  Pfandbesitz  sollte  solange  währen,
  bis  die  Stadt  dem  Herzoge  seine  Kosten  würde  ersetzen  können.
Das  hieß  soviel,  als  sie  auf  ewige  Zeiten  ihm  ausliefern,  denn  unerschwinglich
  war  eine  solche  Zahlung  für  die  arme  Stadt.  Damit
war  eine  freie  Reichsstadt  zu  einer  abhängigen  Landstadt  geworden
und  der  bayrische  Besitz  um  einen  wichtigen  Platz  vergrößert,  die