Donauwörth;  Union  und  Liga  77

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Lage  i  im  Reiche  wieder  zugunsten  der  Katholiken  verschoben  worden.
  Wie  oft  bei  großen  Ereignissen  kleine  Anlässe  den  letzten  Anstoß
  geben,  so  hat  diese  Donauwörther  Affäre  dazu  beigetragen,
den  glimmenden  Funken  im  Reiche  zum  großen  Brande  anzufachen.
Die  nächsten  zwei  Reichstage  von  1608  und  1613  wurden  durch  die
Protestanten  gesprengt;  diese  anerkannten  nicht  mehr  das  Recht  der
Reichstage,  entscheidend  einzugreifen  in  deutsche  Verhältnisse;  nicht
mehr  sollte  die  Mehrheit  obsiegen,  die  noch  immer  katholisch  war,
sondern  paritätisch  sollten  beide  Konfessionen  behandelt  werden.  Und
nun  haben  sich  die  verschiedenen  Parteigänger  zu  Bündnissen  vereint:
  zuerst  die  Protestanten  zur  „Union“,  dann  die  Katholiken  zur
„Liga“.  In  letzterer  war  es  der  Bayer,  der  die  führende  Rolle
spielte,  zunächst  die  bayrischen  Bistümer  vereinte,  dann  auch  die
geistlichen  Kurfürsten  am  Rheine  heranzog,  und  an  die  Spitze  des
neuen  Bundes  trat.  Dabei  versäumte  er  nicht,  argwöhnisch  auf  die-Habsburger
  hinüberzusehen;  in  dem  Augenblicke,  da  Ssterreich  diesem
  Bunde  beitrat  —  und  einer  katholischen  Macht  da  den  Zutritt
zu  versagen,  das  ging  nicht  an  —  hat  er  geschickt  gegen  sie  zu  operieren
  verstanden,  so  daß  er  doch  der  allein  gebietende  Herr  der  Ligo
blieb.  Freilich  ist  ihm  dabei  ein  wichtiger  Umstand  sehr  zustatten
gekommen:  daß  er  infolge  seiner  weisen  Finanzwirtschaft  in  der
Lage  war,  ein  Heer  aufzustellen  und  zusammenzuhalten,  während
solches  den  österreichischen  Finanzkünstlern  etwas  Unmögliches  war.
Beim  Ausbruche  des  Krieges  in  Deutschland  und  noch  lange  nachher
  ist  es  das  Heer  der  Liga  gewesen,  das  den  Kampf  für  den  Katholizismus
  allein  führte  und  gleich  am  Anfange  desselben,  in  der  Schlacht
am  Weißen  Berge,  das  böhmische  Königtum  des  Winterkönigs  zertrümmerte.
  Erst  Wallenstein  hat  Maximilians  Pläne  empfindlich
gestört,  kein  Wunder,  wenn  ihm  der  Herzog  feindlich  gesinnt  war.
Bald  darf  man  aber  Maximilian  nicht  mehr  Herzog,  sondern
Kurfürst  nennen,  denn  nicht  uneigennützig  nur  für  den  Dienst  der
Kirche  und  des  Reiches  hatte  er  gewirkt.  Wie  es  ihm  zukam,  als  tüchtigem
  Regenten,  hat  er  auch  für  seine  Erhöhung,  für  die  Größe  seines
Landes  gearbeitet.  Als  Ferdinand  II.  nach  seiner  Wahl  zum  Kaiser
nach  München  kam,  um  sich  der  Mithilfe  des  Bayern  zu  versichern,
da  sind  die  ersten  Abmachungen  zwischen  beiden  getroffen  worden,
die  schließlich  im  großen  und  ganzen  später  durchgeführt  worden
sind.  Das  Ziel  des  Bayern  war,  in  den  Besitz  der  Kurstimme  zu
kommen,  die  der  bayrischen  Linic  einst  widerrechtlich  (wie  sie  mit
nicht  geringer  Berechtigung  behaupten  konnte)  genommen  worden