78  Maximilian  von  Bayern

*  —  —  —  —  —  -  —

war;  er  heischte  aber  nicht  nur  einen  Zuwachs  an  Macht,  er  wollte
auch  die  Grenzen  seines  Landes  hinausschieben,  das  damals  auf  den
ungefähren  Umfang  des  heutigen  Nieder=  und  Oberbayerus  beschränkt
gewesen  war;  dazu  bot  sich  nun  gleichfalls  der  Besitz  der  vielgehaßten
  Pfälzer  Linie  dar.  Dabei  fiel  einmal  das  Interesse  des  Kaisers
mit  dem  Bayerns  zusammen,  die  gefährliche  ständige  Opposition
der  Pfälzer  Herren  konnte  jetzt  gründlich  niedergeworfen  werden.
Die  Oberpfalz  wurde  dem  Bayern  sofort  gegeben,  die  Kur  ihm  zugesagt,
  auf  anderes  wurden  ihm  Aussichten  eröffnet,  ja  ihm  sogar
auf  Kosten  der  Habsburger  ein  Pfandbesitz  in  Oberösterreich  eingeräumt.
  Nicht  auf  einmal  sind  diese  Dinge  durchgeführt  worden,  erst
allmählich  und  gewiß  nicht  mit  freudigem  Herzen  hat  der  Kaiser
der  Vergrößerung  Bayerns  zugestimmt;  der  Schluß  war,  daß  Maximilian
  Kurfürst  wurde  und  die  Oberpfalz  mit  Cham  bekam,  die  er
nun  sofort  mit  äußerster  Energie  wieder  katholisch  machte.

Wir  wissen  bereits,  daß  Maximilian  mitgearbeitet  hat  an  dem
Sturze  Wallensteins,  in  dem  er  mit  Recht  seinen  gefährlichsten  Gegner
  sah;  es  ist  äußerst  wichtig,  festzustellen,  daß,  wenn  katholische
Interessen  in  seiner  Politik  mit  rein  bayrischen  in  Gegensatz  geraten
sind,  schließlich  die  letzteren  obgesiegt  haben.  Trotz  seiner  Frömmigkeit,
  trotz  seines  Streitens  für  den  katholischen  Glauben  —  wir  werden
  davon  noch  Beispiele  hören  —  ist  er  doch  in  erster  Linie  bahrischer
  Politiker  gewesen  und  das  macht  seine  Größe  aus,  das  unterscheidet
  ihn  vor  allem  von  Kaiser  Ferdinand  II.,  mit  dem  er  zusammen
  in  Ingolstadt  erzogen  worden  war.  Dieses  persönliche  Verhältnis
  zwischen  beiden  Fürsten  —  sie  waren  ja  zudem  Vettern  —
mag  auch  etwas  mildernd  eingewirkt  haben  auf  den  Gegensatz  habsburgischer
  und  bayrischer  Politik.  Es  ist  aber  nicht  zu  verkennen,  daß
die  letztere  weitaus  die  stärkere  gewesen  ist;  viel  mag  bei  der  Haltung
  Maximilians  dem  Kaiser  gegenüber  auch  mitgewirkt  haben,
daß  er  diesen  Mann  genügend  gekannt  und  stets  wußte,  wessen  er
sich  von  ihm  zu  versehen  hatte.

Man  teilt  gewöhnlich  die  Geschichte  des  Dreißigjährigen  Krieges
in  vier  Abschnitte  ein,  den  böhmisch-pfälzischen,  den  dänischen  usw.:
es  wäre  richtiger,  sie  in  zwei  große  Teile  zu  trennen;  als  Trennungsjahr
  würde  das  Jahr  1630  in  Betracht  kommen.  In  der  ersten
Periode  ist  die  katholische  Sache  im  Aufsteigen  begriffen  und  das
Ausland  vermag  nicht  Einfluß  auf  die  deutschen  Dinge  zu  gewinnen:
in  der  zweiten  ist  die  religiöse  Frage  bereits  gelöst;  es  wird  klar,  daß  es
weder  zu  einem  vollständigen  Siege,  noch  zu  einer  entschiedenen