Maximilian  und  der  30jährige  Krieg  79

—.  —  —  –  —

Niederlage  einer  Konfession  kommen  kann,  sondern  daß  ein  Kom—
promiß  die  Fehde  zwischen  Protestanten  und  Katholiken  beenden
wird;  der  Friede  von  Prag  (1635)  hat  bald  dafür  die  Wege  gewiesen,
indem  er  das  Inslebentreten  des  Restitutionsediktes  auf  Jahrzehnte
  hinaus  verschob,  damit  dasselbe  eigentlich  aus  der  Welt
schaffte  und  ein  Normaljahr  als  Grenzjahr  für  die  einzelnen  Konfessionen
  festsetzte.  Zugleich  begann  aber  jetzt,  geführt  durch  Schweden
  und  Frankreich,  das  Ausland  jene  gefährliche  Rolle  in  den
deutschen  Dingen  zu  spielen,  die  Wallenstein  richtig  vorausgesehen
hat  und  so  gerne  vermieden  hätte.  Und  da  ist  es  entscheidend  geworden,
  daß  der  einzige  deutsche  Reichsfürst,  der  vermöge  seiner  Talente
und  vermöge  seiner  kriegerischen  und  finanziellen  Leistungen  imstande
  gewesen  wäre,  führend  und  ändernd  einzugreifen,  das  Ausland
ebenfalls  nicht  entbehren  konnte:  Maximilian  von  Bayern.  Nur  durch
die  Unterstützung  desselben  konnte  er  seine  Politik  weiterführen,
konnte  er  Bayerns  Machtsphäre  vergrößern.  Er  hat  immer  zugleich
  gegen  den  Protestantismus  und  gegen  die  katholischen  Habsburger
  kämpfen  müssen.  Man  wird  bei  der  Rolle,  die  jetzt  und
später  Bayern  in  deutscher  Geschichte  gespielt  hat,  nie  auf  diesen
Doppelkampf  vergessen  dürfen,  der  ihm  durch  seine  Stellung  aufgedrängt
  war.  Daß  sich  Bayern  gegen  die  Habsburger  unabhängig
gehalten  hat,  daß  es  die  steten  Versuche  ÖOsterreichs,  sich  dieses  Landes
zu  bemächtigen,  doch  immer  wieder  abgewehrt  hat,  das  hat  es  nur
durch  den  steten  Anschluß  an  das  Ausland,  vor  allem  an  Frankreich,
erreicht.  Schon  vor  dem  Sturze  Wallensteins  ist  Bayern  von  Frankreich
  gesucht  worden,  man  hat  hier  in  Paris  bald  die  Wichtigkeit
  dieses  Bundesgenossen  erkannt  und  immer  wieder  finden  wir
Maximilian  in  Verbindung  mit  der  französischen  Politik,  um  sich
in  allen  seinen  Ansprüchen  gegen  die  Feinde  in  beiden  Lagern
Deutschlands  zu  behaupten.  Dabei  wird  man  doch  urteilen  müssen,
daß  Maximilian  sich,  soweit  es  möglich  war,  auch  als  guter  Deutscher
  gefühlt  hat,  daß  er  noch  durchaus  jenem  à  la  mode-Wesen  späterer
  deutscher  Fürsten  abgekehrt  war,  deren  höchstes  Ziel  in  der  Nachahmung
  französischen  Wesens  gelegen  war;  er  hat  vor  allem,  und
das  schien  ja  damals  die  größere  Gefahr  zu  sein  vor  einer  Hispanisierung
  Deutschlands  sich  gefürchtet,  vor  einem  Uberhandnehmen
des  spanischen  Einflusses,  der  im  Wege  der  Habsburger  Familie
zu  liegen  schien.

Als  dann  der  Krieg  endlos  zu  werden  drohte,  als  es  klar  wurde,
daß  die  Ausländer  nur  auf  ihren  eigensten  Vorteil  hinarbeiteten,