82  Maximilian  von  Bayern

nahme  begriffen  war,  wurde  wieder  aufgeholfen;  auch  der  Lederindustrie,
  der  Anpflanzung  von  Maulbeerbäumen,  der  Erzeugung
von  Glas,  dem  Bergwesen  wurde  größte  Aufmerksamkeit  geschenkt,
vornehmlich  die  Salzgewinnung  ausgebeutet.  Die  geistigen  Interessen
  hat  Maximilian  nicht  vernachlässigt,  die  Kunst  hat  in  ihm
einen  warmen  Förderer  gefunden;  was  sein  Großvater  und  Vater
begonnen,  setzte  er  fort,  so  die  Sammlungen,  die  Hofbibliothek,  er  hat
die  neue  Residenz  bauen,  den  neuen  Hofgarten  anlegen  lassen.  Sein
frommer  Sinn  hat  die  Entwickelung  der  Schulen  immer  mehr  mit
den  geistlichen  Orden  in  Verbindung  gebracht,  nicht  weniger  als  sechs
Jesuitenkollegien  hat  er  gegründet,  und  auch  sonst  ist  er  in  der  Fürsorge
  für  Ordensgeistliche,  wie  die  Kapuziner,  Karmeliter,  Paulaner,
  von  Frauenorden  für  die  „englischen  Fräulein“  weit  gegangen.

Auf  das  eifrigste  hat  er  den  Katholizismus  gefördert,  die  protestantischen
  Adeligen  zur  Auswanderung  gezwungen,  streng  durch
Überwachung  aller  Art  den  Gebrauch  verbotener  Bücher  hintangehalten.
  Von  den  Bürgern  wurde  vor  Aufnahme  in  das  Bürgerrecht
  die  Ablegung  des  tridentinischen  Glaubensbekenntnisses  gefordert.
  Neue  Feiertage  wurden  eingeführt,  das  Fastengebot  wurde
verschärft  und  auf  dessen  Beobachtung  scharf  gesehen,  es  waren
der  regelmäßigen  Fasttage  zwei  in  der  Woche.  Die  Beamten  mußten
  täglich  die  Kirche  besuchen,  sich  an  allen  Prozessionen  beteiligen,
  unter  schwerer  Ahndung  zu  Beichte  und  Kommunion  gehen,
beim  Gebetläuten  mußte  jeder  niederknien.

Strenge  war  Maximilian  von  seinen  jesuitischen  Lehrmeistern  in
Ingolstadt  erzogen  worden;  wenn  man  aber  den  Jesuiten  nachsagt,
daß  es  ihr  vornehmstes  Ziel  sei,  die  eigene  Meinung  zu  ertöten  und
den  Geist  des  Zöglings  völlig  zu  unterwerfen,  so  ist  ihnen  dies  bei
Maximilian  gewiß  nicht  gelungen,  denn  immer  bewahrte  er  sich
sein  unabhängiges  Denken,  die  Freiheit  des  Entschlusses.  Allerdings
wird  trotz  mancher  selbständigen  Regung  und  bei  allem  Festhalten
an  den  Rechten  des  Staates  gegenüber  der  Kirche  letztere  doch  mit  der
Wirksamkeit  dieses  Mannes  höchlich  zufrieden  sein  dürfen.

Von  kleinem,  zartem  Körperbau,  hat  er  seinem  Körper  die  höchsten
  Anforderungen  abgerungen;  von  4  Uhr  des  Morgens  bis  zum
späten  Abende  hat  er  nur  dem  Wohle  seines  Landes  gelebt  und  in
schwerster  Zeit  Wunder  an  Arbeitstätigkeit  verrichtet.  Ein  Spruch,
den  er  sich  geprägt  hat,  gibt  den  Kern  seines  Wesens  am  besten