Die  Folgen  des  30jährigen  Krieges  85

Erst  im  letzten  Jahrzehnte  des  Krieges  trat  sein  Sohn,  Ferdinand
III.,  wiederum  als  Schützer  und  Mehrer  des  Reichs  gegen  die  auswärtigen
  Feinde  auf;  kaiserliche  Heere  sind  es  ja,  die  gegen  die
Schweden  und  Franzosen  kämpfen,  aber  viel  zu  schwach  ist  des  Kaisers
  Majestät  dazu,  die  deutschen  Fürsten  selbst  müssen  ihr  Schicksal
  in  die  Hand  nehmen  und  mit  den  Fremden  verhandeln.  So  sehr
die  religiösen  Unterschiede  sich  unter  dem  Kriegslärm  abschwächen,
so  sehr  wachsen  die  staatlichen,  territorialen  heran.  Krieg  und  Politik
  erzeugen  die  stehenden  Heere,  das  dazu  nötige  Geld  nehmen
die  Fürsten  von  ihren  Untertanen.  Gleich  nach  dem  Friedensschlusse
setzte  der  Reichstag  von  1653  fest,  die  Fürsten  hätten  das  Recht,
zu  „Defensionszwecken“  Abgaben  von  ihren  Untertanen  einzuheben.
Das  bedeutete  eine  gewaltige  Stärkung  der  Fürstengewalt.  Während
  niemand  die  Fürsten  zwingen  konnte,  dem  Reiche  Steuern  zu
zahlen,  trieben  sie  jetzt  solche  zu  eigenen  Gunsten  ein;  betreffs  der
Höhc  und  der  Verwendung  derselben  waren  sie  gleichfalls  so  gut  wie
unumschränkt.  Besonders  beliebt  wurden  die  Abgaben  auf  Lebensmittel,
  die  Akzise.  Immer  selbständiger  wurden  die  Fürsten  dem
Kaiser  gegenüber,  immer  selbstherrlicher  traten  sie  ihren  Ständen
entgegen,  die  absolute  Fürstengewalt  nach  oben  und  unten  hin  ward
damals  in  Deutschland  begründet.  Unter  diesen  Fürsten  ist  es  vor
allem  der  Hohenzoller  Friedrich  Wilhelm  gewesen,  der  durch  tüchtige
  Verwaltung,  geschickte  Politik  und  ein  starkes  Heer  die  Größe
seines  Geschlechts  begonnen  hat.

Verhältnismäßig  spät  ist  das  Geschlecht  der  Hohenzollern  in  der
deutschen  Geschichte  nachweisbar.  Gefällige  Genealogen  haben  es
früher  und  später  in  schwindelnde  Fernen  alter  Zeiten  hinaufgeführt;
in  früheren  Jahrhunderten  war  es  leicht  eine  Brücke  zu  schlagen
zu  Julius  Cäsar  oder  gar  zu  einem  Propheten  des  Alten  Testaments:
  mit  Sicherheit  können  wir  im  11.  Jahrhunderte  zum  ersten
Male  einen  Grasen  nachweisen,  der  seinen  Namen  nach  der  schwäbischen
  Burg  zum  „Hohen  Zollern“  trägt.  Die  Familie  blüht  rasch
heran,  Gott  Hymen  mischt  sich  hinein,  um  ihren  Besitz  zu  vergrößern,
  schwäbisches  Land  wird  mit  reichen  fränkischen  Besitzungen.
verbunden,  aus  denen  später  die  Fürstentümer  Ansbach,  Bayreuth
und  Kulmbach  entstanden  sind.  Im  Jahre  1227  trennen  sich  die
beiden  Linien,  die  schwäbische  und  fränkische;  die  erstere,  die  katholisch
  geblieben  ist,  hat  1849  ihr  Land  der  anderen  freiwillig  übertragen.
  Sie  ist  erst  in  neuer  Zeit  wieder  mehr  hervorgetreten,  als
ein  Glied  derselben  ausersehen  ward,  die  Königskrone  von  Spa-