86  Der  Große  Kurfürst

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nien  zu  tragen  und  damit  den  Krieg  von  1870  heraufbeschworen  hat,
ein  anderes  tatsächlich  die  Krone  von  Rumänien  erhielt,  die  es
heute  noch  in  Ehren  trägt.  Viel  reicherer  Glanz  aber  erhöhte  die
fränkische  Linie,  die  in  Luthers  Zeiten  zur  neuen  Lehre,  dann  Anfang
  des  siebzehnten  Jahrhunderts  zum  Kalvinismus  übergetreten
ist:  durch  tüchtige  Männer  erwarb  sie  frühzeitig  Amt  und  Ansehen;
Burggrafen  von  Nürnberg  sind  sic  geworden,  haben  aber  bald  die
alte  Burg  selbst  der  Reichsstadt  verkauft  und  sich  auf  die  Regierung
  ihrer  fränkischen  Besitzungen  beschränkt.  Anfang  des  fünfzehnten
  Jahrhunderts  sind  sie  zu  der  Mark  Brandenburg  in  Beziehung
  getreten.  Zur  Abwehr  gegen  den  slawischen  Feind  waren
eine  Reihe  von  Grenzländern  geschaffen  worden,  die  die  Verteidigung
  des  weiter  westwärts  gelegenen  Landes  zu  besorgen  hatten:
Marken.  So  die  Altmark,  Neumark,  Uckermark,  die  mit  anliegenden
  Landesteilen  vereinigt,  die  Mark  Brandenburg  gebildet  haben.
Sie  ist  zuerst  von  sächsischen  Grafen  verwaltet  worden,  kam  später
in  den  Besitz  der  Wittelsbacher  und  Luxemburger  ;  sie  tritt  in  Verbindung
  mit  Böhmen.  Frühzeitig  machen  sich  in  Brandenburg  unbotmäßiger
  Adel  und  frei  emporstrebende  Städte  —  vor  allem  die
Schwesterstädte  Berlin  und  Cölln  an  der  Spree  —  bemerkbar.  Kaiser
Sigismund  ist  nicht  mehr  imstande,  das  weite  Gebiet  seiner  Erblande
  zugleich  mit  dem  Kaisertume  zu  beherrschen;  besonders  das  in
völliger  Auflösung  und  Gärung  befindliche  brandenburgische  Gebiet
  verursacht  ihm  Sorge;  so  löst  er  es  ab  und  übergibt  es  1415
dem  Burggrafen  Friedrich  von  Zollern  zur  eigenen  Verwaltung,
belehnt  ihn  zwei  Jahre  später,  1417,  feierlich  mit  dem  Kurhute.
Von  diesen  Tagen  bleiben  Land  und  Familie  unzertrennbar  miteinander
  verbunden  und  begründen  die  Größe  des  Geschlechts.  Es
ist  ein  Geschlecht,  dem  der  Himmel  eine  Reihe  tüchtiger  sorgsamer
Regenten  geschenkt  hat,  die  es  verstanden,  Ordnung  im  Innern  zu
halten  und  nach  außen  hin  den  Besitz  in  glücklicher  Art  zu  mehren,
die  es  aber  auch  verstanden  haben,  aus  der  Reihe  der  Untertanen
taugliche  Kräfte  auszulesen,  mögen  diese  nun  mehr  als  Handlanger
ihren  Herren  gedient  haben,  mögen  sie  oft  die  Gestalt  des  eigenen
Fürsten  um  Haupteslänge  überragt  haben;  nicht  nur  die  Treue  des
Volkes  gegen  den  Herrn  war  das  Glück  der  Zollern,  auch  die  Treuc
der  Fürsten  gegen  ihre  Untertanen  hat  sie  ausgezeichnet.

Mit  schwerer  Mühe  haben  sie  nun  zunächst  in  der  Mark  Brandenburg
  Ordnung  gemacht;  die  Unbotmäßigkeit  der  adligen  Herren,  wie
der  Quitzows,  gebrochen,  das  Freiheitsgelüst  der  Städte  gebändigt;