Vergrößerung  des  hohenzollernschen  Vesitzes  89

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über  schönen  Landbesitz  am  Rheine  verfügte:  über  Kleve,  Mark,
Jülich,  Berg,  Ravensberg  und  Ravenstein  mit  dem  Hauptorte
Düsseldorf.  Aber  nicht  allein  die  Zollern  konnten  da  Erbrechte  vertreten:
  auch  Pfalz-Neuburg,  auch  Sachsen,  auch  die  Habsburger
konnten  sich  auf  Verwandtschaft  und  Verträge  berufen.  Wirkungsvoll
  blieben  nur  die  Ansprüche  der  Pfälzer;  ein  erbitterter  Zank  erhob
  sich  zwischen  den  Hohenzollern  und  den  Neuburgern,  der  in
offenen  Krieg  ausartete;  die  Zeiten,  die  aber  gewaltigere  Zündmassen
  zu  verzehren  hatten,  ließen  solche  lokale  Brände  nicht  um
sich  greisen,  es  kam  zu  verschiedentlichen  Ausgleichen,  die  endlich
zur  Teilung  führten,  demnach  Kleve,  Mark  und  Ravensberg  zu
Brandenburg  kamen,  während  der  übrige  —  reichere  —  Teil  an
Pfalz-Neuburg  fiel.

Was  im  sechzehnten  Jahrhundert  vorbereitet  worden  war,  das
erfüllte  sich  im  nächsten:  1618  übernahm  der  Kurfürst  von  Brandenburg
  die  Regierung  im  Herzogtume  Preußen  für  den  schwachsinnigen
  Regenten  und  nach  dessen  Tode  wurde  der  Kurfürst  als  Herzog
  anerkannt,  damit  die  Vereinigung  dieser  beiden  Länder  vollzogen.
Im  Jahre  1637  starb  der  letzte  Herzog  von  Pommern,  Bogislaw,
und  eröffnete  damit  eine  neue  Aussicht  auf  wichtigen  Landerwerb.

Der  Fürst,  dem  damals  diese  Glückfälle  in  den  Schoß  fielen,  gehört
  nicht  zum  Durchschnitte  hohenzollernscher  Regenten,  er  bildet
  eine  Ausnahme  des  tüchtigen  Geschlechts.  Es  ist  Georg  Wilhelm,
von  dem  wir  bereits  erzählen  mußten,  wie  schwankend  und  unstet
er  in  seiner  Politik  gewesen,  wie  er  unter  dem  Einflusse  seines  katholischen
  Ministers,  Adam  von  Schwarzenberg  —  gleichfalls  einem
fränkischen  Geschlechte  entstammt  —  sich  dem  Kaiser  besonders  ergeben
  gezeigt  und  nur  unwillig  mit  dem  Schwedenkönige  sich  einließ.
  Er  ist  dann  dem  Prager  Frieden  beigetreten,  ohne  dafür  ein
Entgelt  zu  erhalten,  wie  der  Sachse,  und  die  neuerliche  feindliche
Stellungnahme  gegen  Schweden  hat  ihm  den  Haß  dieses  Staates
zugezogen,  der  sich  in  unerbittlicher  Drangsalierung  des  Landes
äußerte.  Auf  das  schwerste  ist  die  Mark  dazumal  heimgesucht  worden
  von  der  Kriegsfurie,  sie  fiel  fast  ganz  in  Feindeshand;  in  die
äußersten  Gebiete,  nach  Ostpreußen,  mußte  sich  Georg  Wilhelm  zurückziehen;
  die  Not  der  Zeit  wurde  dort  sowohl  wie  in  Kleve,  im  rheinischen
  Land,  von  den  Ständen  benützt,  um  sich  eine  möglichst  unabhängige
  Stellung  zu  sichern;  was  in  der  Mark  und  in  Franken.
noch  übrig  geblieben  war,  schien  mehr  schwarzenbergisch  zu  sein
als  hohenzollerisch.  In  tiefster  Ohnmacht  ist  Georg  Wilhelm  1640