90  Der  Große  Kurfürst

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nisse,  das  neue  Regiment,  an  seiner  eigenen  Person  erfahren  konnte.
Aber  sein  Sohn  erfuhr  es,  daß  man  der  Herrschaft  des  Vaters  schuld
gab  an  dem  entsetzlichen  Zustand  Preußens;  dem  verstorbenen  Adam
von  Schwarzenberg  wurde  der  Prozeß  gemacht,  Ehren  und  Vermögen
  der  Familie  genommen;  der  Sohn  Johann  Adolf  verließ
Brandenburg,  trat  in  kaiserliche  Dienste  und  ist  hier,  vom  Glück  begünstigt,
  der  Schöpfer  des  ungeheuren  Besitzes  und  des  großen  Einflusses
  geworden,  dessen  sich  dieses  Geschlecht  noch  heute  in  Österreich
erfreut.  Der  neue  Herr  in  Brandenburg  hieß  Friedrich  Wilhelm  I.,
er  ist  in  der  Geschichte  unter  dem  Namen  des  „Großen  Kurfürsten“
  bekannt.

Er  ist  am  16.  Februar  1620  in  Berlin  geboren  worden,  seine
Mutter  war  eine  pfälzische  Prinzessin.  Friedrich  Wilhelms  Jugend
war  von  großen  auswärtigen  Ereignissen  umwogt  und  reich  an  Eindrücken,
  die  maßgebend  geworden  sind  für  seine  spätere  Entwickelung.
  Sieben  Jahre  alt,  kam  er  mit  seinem  Erzieher,  Johann
Friedrich  von  Calcum,  genannt  Leuchtmar,  nach  Küstrin,  später  zu
einjährigem  Aufenthalte  nach  Wolgast  an  den  Hof  seiner  Tante,
Marie  Eleonore,  der  Gattin  Gustav  Adolfs.  Von  weittragendster
Bedeutung  für  ihn  blieb  es,  daß  er  1634  nach  den  Niederlanden
geschickt  wurde,  an  den  Hof  seiner  oranischen  Verwandten.  Seitdem
dieser  Familie  in  Wilhelm  dem  Schweigsamen  ein  hochbedeutender
Fürst  erstanden  war,  der  den  Freiheitskampf  seines  Vaterlandes
gegen  Spanien  durchgeführt  und  damit  im  Westen  Europas  ein  wichtiges
  protestantisches  Zentrum  geschaffen  hatte,  durchwehte  das  Haus
Oranien  ein  weltpolitischer  Geist,  über  die  gewöhnliche  Kirchturmpolitik
  jener  Tage  weit  hinausreichend;  gestählt  in  jahrzehntelangem
  heißen  Kampfe,  in  Not  und  Entbehrung  groß  geworden,  in  starkem
  Glauben  Trost  findend  gehörte  es  an  Bildung,  Einfluß,  Charakterfügung
  zu  den  ersten  Familien  der  Zeit.  Vier  Jahre  verbrachte
Friedrich  Wilhelm  dort  im  Verkehr  mit  tüchtigen  Staatsmännern,
die  Entwickelung  eines  freien,  mächtigen  Handel  treibenden  Landes
aufmerksam  verfolgend.  Die  Ordnung,  die  Toleranz,  der  weite  Blick,
die  unfehlbar  mit  einem  über  die  ganze  Welt  reichenden  Verkehr
verbunden  sind,  machten  den  größten  Eindruck  auf  den  jungen  Kurprinzen;
  die  Bedeutung  des  Weltmeeres  wurde  ihm  klar.  Viel  hat
er  gelernt  für  sein  späteres  Leben;  wenn  er  seine  Beamten  zu  streuger
  Pflichterfüllung  antreibt,  wenn  er  in  religiösen  Dingen  von