größter  Duldsamkeit  bleibt,  wenn  er  selbst  die  schwache  Fessel  des
polnischen  Lehensverbands  um  jeden  Preis  abschütteln,  wenn  er
eine  Kolonialpolitik  für  Kurbrandenburg  schaffen  will  und  seine  Zukunft
  auf  dem  Meere  sieht,  leidenschaftlich  nach  den  pommerschen
Häfen  strebt,  so  sehen  wir  in  allem  die  holländischen  Lehrjahre  sich
offenbaren.  Der  freie  Geist  der  Niederlande  paßte  aber  nicht  ganz
zu  den  beschränkten  Ansichten  Georg  Wilhelms;  er  fand,  sein  Sohn
könnte  dort  politische  Eindrücke  erhalten,  die  übel  zur  kaiserlichen
Politik  des  Kurfürsten  taugen  würden,  und  so  nahm  er  ihn  1638  zu
sich  nach  Königsberg.  Friedrich  Wilhelm  kam  eben  zurecht,  um  zu
sehen,  wic  der  Versuch  des  Vaters,  sich  des  erledigten  Pommerns  zu
bemächtigen,  kläglich  scheiterte.  In  stiller  Verschlossenheit  hat  er
die  nächsten  zwei  Jahre  verbracht,  klug  schweigend  zu  dem,  was
er  nicht  ändern  konnte.  Der  1.  Dezember  1640  rief  ihn  zur  Regierung;
  auch  jetzt  hat  er  nicht  übereilt  in  die  Dinge  eingegriffen,  bevor
ihm  dazu  Nötigung  ward,  starb  im  März  1641  Schwarzenberg  und
Friedrich  Wilhelm  war  Alleinherrscher.  Sofort  nun  wurde  der  Umschwung
  in  der  brandenburgischen  Politik  fühlbar.  Daß  dieses  Land,
wenn  möglich,  im  damaligen  Sturme  Neutralität  gewahrt  hätte,
wäre  für  Friedrich  Wilhelm  verständlich  gewesen,  daß  es  sich  aber  um
nichts  und  wieder  nichts  dem  Kaiser,  der  katholischen  Partei  angeschlossen
  hatte  und  dadurch  in  einen  verheerenden  Krieg  mit  den
Schweden  sich  einlassen  mußte,  dafür  fehlte  ihm  das  Verständnis.
Seine  Ausbreitungspläne  gedachte  er  wohl  auch  ohne  den  Kaiser
durchzuführen;  im  Gegenteile,  er  wußte  genau,  daß  Schweden  zu
seiner  „Assekuration  und  Satisfaktion“  ebenfalls  auf  Pommern
die  Augen  geworfen  hatte;  auf  freundschaftlichem  Wege  mußte  darum
diese  Klippe  umschifft,  für  Schweden  eine  andere  Vergrößerung  ausgesucht
  werden;  der  Kaiser  würde  niemalen  seine  Waffen  dafür  eintreten
  lassen,  daß  Brandenburg  eine  gewaltige  Gebietsvermehrung
durch  Pommern  erhielte,  das  konnte  nur  im  Einverständnisse  mit
des  Kaisers  Feinden  geschehen.  Und  war  es  nicht  möglich,  ganz  Pommern
  zu  erhalten,  so  mußte  ebenfalls  im  Einverständnisse  mit  den
Schweden  und  mit  Frankreich  für  Brandenburg  dafür  eine  Entschädigung
  ausfindig  gemacht  werden:  dafür  schien  dem  neuen  Kurfürsten
das  kostbare  Magdeburg  geeignet.  So  richtete  die  brandenburgische
Politik  in  den  nächsten  sieben  Jahren,  die  noch  bis  zum  Abschlusse
des  Westfälischen  Friedens  verliefen,  ihr  Augenmerk  auf  die  Erwerbung
  von  Pommern  und  Magdeburg.  Noch  1641  schloß  Friedrich
  Wilhelm  seinen  Frieden  mit  den  Schweden,  erlangte  die  Beleh-Die

  Jugend  Friedrich  Wilhelms  91