Seine  auswärtige  Politik  95

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ben;  der  Kurfürst  legte  seinen  Erbvertrag  vor  und  forderte  die  ihm
daraus  zustehenden  Teile  von  Schlesien  als  Erbe:  der  Kaiser  lehnte
diese  Forderung  bestimmt  und  hochmütig  ab.

Ein  Gegensatz  zwischen  den  Habsburgern  und  Hohenzollern  kommt
immer  schärfer  zum  Vorschein  und  beherrscht  von  nun  ab  mit  geringen
  Unterbrechungen  die  deutsche  Geschichte,  er  ist  erst  in  der  Mitte
des  neunzehnten  Jahrhunderts  entschieden  worden.  Brandenburg-Preußen
  wird  ein  mächtig  vorwärtsstrebendes  Fürstentum  unter
tüchtigen  Regenten,  mit  guten  Beamten  und  glänzenden  Soldaten;
es  spürt  eine  gewaltige  Kraft  in  seinen  Adern  und  will  diese  Kraft
nützen,  es  will  heraus  aus  den  engen  Grenzen  des  Vasallentums,  es
will  selbständig,  frei  werden  in  der  europäischen  Welt.  In  Wien,  am
Kaiserhofe,  hat  man  kein  Verständnis  für  die  Kraft  und  die  Sehnsucht
  des  jungen  Staates,  man  will  ihn  niederhalten,  man  will  niemals,
  auch  später  nicht,  im  Könige  von  Preußen  den  Kurfürsten
von  Brandenburg  vergessen  und  arbeitet  mit  allen  Mitteln  an  der
Unterdrückung  der  ehrgeizigen  Macht.  Nicht  immer  schien  es  natürlich
  klug  zu  sein,  diese  Abwehr  und  Feindschaft  offen  kundzutun,  sie
wird  beschönigt,  verschleiert,  um  dann  um  so  beleidigender,  aufreizender
  zu  wirken,  wenn  sie  entdeckt  wird.

Die  politische  Verbindung  Brandenburgs  mit  Frankreich  dauert
bis  in  das  Jahr  1686;  ersteres  sieht  aus  diesem  unnatürlichen
Bündnis  keine  Früchte  reifen;  es  erreicht  nichts  in  Pommern,  nichts
in  Schlesien,  es  erreicht  nur,  daß  die  Kraft  des  Reichs  gelähmt  ist
und  dasselbe  widerstandslos  in  einem  Waffenstillstande,  1684,  die
Übergriffe  Ludwigs  XIV.  gegen  deutschen  Besitz,  Straßburg  inbegriffen,
  auf  zwanzig  Jahre  gutheißen  muß.  Auch  der  französische  König
hat  kein  Verständnis  für  den  Ehrgeiz  und  die  Kraft  des  preußischen
Staates,  die  in  Friedrich  Wilhelm  damals  verkörpert  sind.  Er  glaubt
genug  getan  zu  haben,  wenn  er  durch  schöne  Worte  und  durch  ein
Jahrgeld  den  Mann  an  seinen  Thron  geknüpft  hat;  er  glaubt  ihn
damit  gefesselt,  Deutschland  unschädlich  gemacht,  er  glaubt  nichts
weiter  dafür  zahlen  zu  müssen.  Vollends  unverständlich  wäre  ihm
der  Gedanke  geblieben,  vielleicht  aus  Rücksicht  auf  ihn  seiner  religiösen
  Politik  Schranken  aufzuerlegen.  Ludwig  XIV.  hat  die  Protestauten
  in  seinem  Staate  als  politische  Feinde  ausrotten  zu  müssen  geglaubt;
  das  Edikt,  das  ihnen  1598  Duldung  gebracht  hatte,  wird
1685  zurückgenommen  sie  sind  vogelfrei  und  wollen  sie  ihren  Glauben
  erhalten,  müssen  sie  ihr  Vaterland  verlassen.  Darauf  antwortet
Friedrich  Wilhelm  mit  dem  Potsdamer  Edikt,  das  den  vertriebenen