—  Entwicklung  des  Hauses  Habsburg  103

Erufen.  Rudolf  wurde  zum  römischen  Könige  gewählt,  er  war  einer
der  klügsten,  schlauesten  Herrscher,  die  jemals  auf  dem  deutschen
Throne  gesessen  sind;  er  verstand  es  nach  Jahren  der  Unsicherheit,
seine  Macht  ordnend  wirken  zu  lassen  und  sie  willkommen  zu  machen;
er  verstand  es,  die  Mark  Österreich,  die  damals  herrenlos  wurde,
seinem  eigenen  Geschlechte  zu  verschaffen,  diesen  Besitz  zu  verteidigen
  und  zu  vergrößern.  Seine  nächsten  Nachfolger  auf  dem  Kaiserthrone
  aus  seiner  Familie,  Albrecht,  Friedrich  waren  nicht  geeignet,
die  große  Politik  des  Ahns  fortzusetzen,  andere  Geschlechter,  Nassauer,
  Wittelsbacher,  Luxemburger,  folgten  den  Habsburgern.  Aber
Österreich  wußten  diese  zu  behaupten,  Kärnten,  Krain,  Steiermark,
Tirol,  reichen  Besitz  am  Rheine,  in  Schwaben,  die  sog.  österreichischen
  Vorlande,  deren  Hauptort  Freiburg  im  Breisgau  wurde,  zu  gewinnen.
  Auf  Grund  dieses  immer  größer  werdenden  Landbesitzes
konnten  sie  wieder  als  Kandidaten  für  die  Kaiserkrone  auftreten,  und
als  Sigismund  von  Luxemburg  1437  starb,  wurde  im  nächsten
Jahre  Albrecht  von  Habsburg  zum  römischen  Könige  gewählt;  seither
  haben  die  Habsburger  mit  einer  kurzen  Ausnahme  (1740—45)
die  Kaiserkrone  bis  zum  Untergange  des  römisch-deutschen  Reiches
getragen.  Auf  diesen  Albrecht  II.  folgte  sein  Neffe  Friedrich  zu  einer
der  längsten,  aber  unrühmlichsten  Kaiserregierungen,  1439—93.  Wenig
  geeignet  war  dieser  schwache  Fürst,  das  Reich  zusammenzuhalten;
  aber  er  hatte  Glück  in  seiner  Hausmacht;  er  vereinigte  einen
großen  Teil  der  österreichischen  Erbländer,  die  in  verschiedenen  Linien
  auseinandergefallen  waren,  in  seiner  Hand,  und  wußte  rechtzeitig
  das  burgundische  Reich  an  Österreich  zu  fesseln,  durch  die  Heirat
  Maximilians,  seines  Sohnes,  mit  der  Erbin  desselben,  Maria.
Und  noch  weiter  reichten  dann  diese  Familienverbindungen,  als  der
Sohn  aus  dieser  Ehe,  Philipp  der  Schöne,  mit  Johanna  von  Spanien
  vermählt  wurde  und  eine  Reihe  unerwarteter  Todesfälle  dieses
Paar  zu  Erben  der  ganzen  spanischen  Monarchie  machte.

Mit  diesen  zwei  Heiraten  war  fremdes  Blut,  burgundisches  und
spanisches,  in  das  deutsche  der  Habsburger  geraten,  das  fremde  Blut
erwies  sich  als  stärker:  schon  Philipps  ältester  Sohn,  den  wir  als
Kaiser  Karl  V.  kennen  gelernt  haben,  ist  ein  Ausländer  gewesen,  der
sich  in  Deutschland  nie  wohl  gefühlt  hat;  in  dessen  Sohne  Philipp  II.
lebt  die  spanische  Linie  der  Habsburger  weiter.  Aber  auch  die  deutsche
Linie  wird  immer  weiter  durch  fremden  Einschlag  beeinflußt.  Ihr
Begründer  ist  Karls  jüngerer  Bruder  Ferdinand  geworden.

Ferdinand  l.  ist  ein  kluger  Monarch  gewesen;  obwohl  überzeugter