104  Kaiser  Leopold  1

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Katholil,  hat  er  doch  den  Protestanten  nachgegeben,  wo  er  es  s  für
nötig  hielt,  er  hat  nie  über  die  Grenzen  des  Möglichen  gegriffen.
Frühzeitig  trat  ihm  sein  Bruder  die  Regierung  über  die  österreichischen
  Lande  ab,  in  überraschender  Weise  brachte  ihm  das  Geschick  Vergrößerung
  derselben.  Zwar  die  Hoffnung,  Württemberg  zu  erhalten,
die  ihm  kurze  Jahre  gewinkt,  erfüllte  sich  nicht.  Dieses  Land,  das  eine
ausgezeichnete  Verbindung  zwischen  den  tiroler,  schwäbischen  und  elsassischen
  Ländern  der  Habsburger  abgegeben  haben  würde,  konnte
nicht  behauptet  werden,  dafür  aber  fiel  nach  dem  Tode  des  Jagellonen
Ludwig  II.  Böhmen  und  Mähren  an  dessen  Schwager,  eben  Ferdinand
  l.  Böhmen  wurde  mit  leichter  Mühe  gewonnen,  dazu  gehörten
noch  Mähren,  Schlesien,  die  beiden  Lausitzen.  Dagegen  gelang  die  Eroberung
  von  Ungarn  nicht  und  in  heißen,  jahrhundertelangen  Kämpfen
  mußten  die  deutschen  Erblande  der  Habsburger  ihre  Kraft  einsetzen
  für  die  Gewinnung  dieses  Landes.  Ein  großer  Teil  Ungarns
war  von  den  Osmanen  eingenommen  worden;  dieser  Gegensatz,  der
sich  hier  zwischen  den  Türken  und  Habsburgern  entfaltete,  hat  dann
einen  neuen  Grund  geschaffen  für  die  Angriffe  der  Türken  auf  den
Westen.

Unter  Ferdinands  I.  drei  Söhnen  trat  eine  Teilung  der  habsburgischen
  Hausmacht  ein,  der  älteste,  Kaiser  Maximilian  II.,  behielt  Nieder=
  und  Oberösterreich  samt  Böhmen  und  Ungarn,  der  zweite,  Ferdinand,
  vermählt  mit  der  Augsburger  Bürgerstochter  Philippine
Welser,  schuf  sich  in  Tirol  seine  Herrschaft,  während  der  dritte,  Karl,
Innerösterreich  (Steiermark,  Kärnten,  Krain)  zugewiesen  bekam.

Maximilian  II.  ist  eine  interessante  Erscheinung,  er  zeigt,  wie  sehr
damals  die  Welt  durch  den  Protestantismus  beeinflußt  war,  so  daß
selbst  er,  ein  Habsburger,  seiner  Werbung  unterlag,  und  man  von  ihm
erwartete,  er  werde  von  dem  alten  Glauben  abfallen.  Doch  im  letzten
Augenblicke  besann  er  sich;  er  fand  auch  bei  den  protestantischen  Fürsten
  nicht  die  Unterstützung,  die  er  gebraucht  hätte;  die  große  Zeit  sah
da  ein  kleines  Geschlecht,  das  in  persönlichem  Zank  und  theologischem
Kleinkram  aufging  und  die  großen  Interessen  der  neuen  Lehre  vernachlässigte.
  Maximilian  hat  jedenfalls  auch  mit  Rücksicht  auf  die
spanische  Erbschaft  den  neuen  Glauben  nicht  angenommen.  Die  Verbindung
  der  deutschen  mit  der  spanischen  Linie  der  Habsburger  war
aufrechterhalten  worden;  der  Kaiser  selbst  hatte  seine  Base  Maria,
  die  Tochter  Karls  V.,  geehelicht.  Nun  schien  es  eine  Zeitlang,  als
sollte  das  spanische  Königshaus  aussterben;  durch  zehn  Jahre  hindurch
  waren  die  Söhne  Maximilians  anscheinend  die  nächsten  Erben