NRudolf  II.  107

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  war  er  nach  Spanien  gezogen,  ernst,  zurückhaltend,  scheu  kehrte
er  von  dort  zurück.

Frühzeitig  riß  der  Tod  seinen  Vater  aus  dem  Leben,  nach  zwölfjähriger
  Regierung  starb  Maximilian  II.  1576;  er  nahm  den  Ruf
eines  liebenswürdigen  Menschen,  eines  guten  Hausvaters,  eines
wohlmeinenden  Regenten  mit  ins  Grab.  Rudolf,  der  1571  aus  Spanien
  heimgekehrt  war,  in  den  nächsten  Jahren  die  Kronen  von  Böhmen
  und  Ungarn,  auch  die  römische  Königskrone  aufgesetzt  erhalten
hatte,  folgte  als  Kaiser  nach.  Damit  beginnt  ein  trauriges,  verfehltes
  Kaiserleben,  dem  aber  die  Größe  gemangelt  hat,  die  Karl  V.,  der
Großonkel,  immer  besessen  hatte.  Mit  besten  Absichten,  mit  Verstand,
  mit  Einsicht  paarte  sich  eine  seltene  Entschlußlosigkeit,  die  nur
manchmal  in  das  gerade  Gegenteil  umschlug,  in  jähe  hitzige  despotische
  Herrscherlaune.  Es  ist  ein  ungusgeglichenes,  launisches  Temperament
  gewesen,  das  Rudolf  rastlos  hin  und  her  trieb;  er  hatte
nicht  das  Glück,  Menschen  zu  finden,  die  groß  und  stark  ihn  geleitet
hätten.  Vor  der  mittelmäßigen  Redlichkeit  zog  er  sich  zurück,  um
dann  ein  Spielball  der  niedrigen  Instinkte  untergeordneter  Leute  zu
werden.  Er  konnte  sich  nicht  entschließen,  zu  heiraten;  viele  Jahre
hat  er  um  seine  spanische  Cousine  werben  lassen,  ohne  zum  endgültigen
  Abschlusse  kommen  zu  können,  bis  der  Prinzessin  endlich  die
Geduld  riß  und  sie  einen  jüngeren  Bruder  des  Kaisers,  Albrecht,  ehelichte.
  Sein  Mißtrauen,  das  ureigentlich  den  Grundzug  seines  Charakters
  ausmachte,  Mißtrauen  gegen  sich  selbst  und  gegen  andere,  erfüllte
  ihn  besonders  gegen  seine  zahlreichen  Verwandten,  seine  Brüder,
  Vettern,  Neffen.  Um  ihnen  zu  entrinnen,  hat  er  frühzeitig,
1582,.  seine  Residenz  von  Wien  nach  Prag  verlegt  und  hier  auf  dem
herrlichen  Hradschin,  der  stolz  die  Prager  Städte  mit  ihren  Kirchen
und  dem  Moldaustrom  überthront,  hielt  er  nun  einen  Hof,  an  dem
zuerst  die  Musen  zu  Hause  waren  und  Glanz  und  Ruhm  verbreiteten.
  Man  wird  das  Kunstverständnis  und  die  Kunsttätigkeit  Kaiser
Rudolfs  nicht  hoch  genug  anschlagen  können.  In  vielseitigster  Weise
äußerten  sie  sich.  Rudolf  schnitzte  und  malte  selbst,  doch  das  ist  jedenfalls
  das  Nebensächliche  gewesen,  die  Hauptsache  war,  daß  er  Künstler
an  seinen  Hof  zog  und  sie  beschäftigte,  daß  er  sammelte.  Von  Malern
sind  zu  erwähnen:  Bartolomäus  Spranger  und  Georg  Hufnagel  aus
Antwerpen,  Hans  von  Aachen,  Johann  Breughel;  dann  der  Kupferstecher
  Aegydius  Sadeler  aus  Antwerpen,  der  Bildhauer  Adrian  de
Vries;  Modelleure,  Gemmenschneider,  Edelsteinschleifer  trifft  man
dort  an,  ebenso  Erzgießer,  Brokatisten,  die  Glasindustrie  wird  un-