108  Kaiser  Leopold  J.

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terstützt.  Neben  köstlichen  Gemälden  von  Leonardo  da  Vinci,  T  Tizian,
Coreggio,  Dürer  finden  wir  herrlich  geschnittene  Steine,  Tischplatten
  aus  Jaspis,  Waffen,  Globen.  Die  Musik  liebte  Rudolf  über
alles,  hielt  sich  eine  große  Hauskapelle,  in  der  Männer  wie  Monte,
Regnard,  Haßler,  Pinelli  wirkten.  Der  berühmte  silberne  Bibelkodex
des  Ulfilas,  der  jetzt,  ein  Raub  der  Schweden  im  Dreißigjährigen
Kriege,  in  Upsala  zu  finden  ist,  kam  nach  Prag.  Für  die  Wissenschaft
hatte  er  Sinn,  allerdings  mehr  in  ihren  damals  beliebten  Spielarten,
  die  geheime  Kräfte  mit  unmöglichen  Leistungen  ins  Dasein
rufen  wollten:  Alchimie  und  Astrologie,  dabei  kamen  aber  auch  die
exakten  Wissenschaften  Mathematik,  Chemie,  Astronomie  nicht  zu
kurz;  Tycho  de  Brahe,  Jessenius,  Bostius  kamen  zum  Wort,  Kepler
stand  lange  in  Rudolfs  Diensten  und  verfaßte  die  berühmten  Tabulae
Rudolphinae.  Am  liebsten  befaßte  sich  aber  der  Kaiser  mit  geheimnisvollen
  Dingen,  der  Spiritist  Hieronymus  Scoto,  der  Goldmacher
Sendivog  fanden  reichen  Lohn  bei  ihm.  In  seinen  Gärten  zog  er
kostbare  ausländische  Pflanzen,  hielt  er  exotische  Bögel;  in  den  Stallungen
  standen  auserlesene  Pferde.  Weniger  Sinn  hatte  er  für  die
Baukunst,  obwohl  er  auch  da  nicht  untätig  geblieben  ist  und  beispielsweise
  im  Prager  Dome  seinen  Vorfahren  ein  schönes  Grabdenkmal
errichten  ließ.  In  den  ersten  Jahren  seiner  Regierung  liebte  er  gläuzende
  Feste,  Jagden;  das  hörte  allmählich  ganz  auf.  Im  Jahre  1581
verfiel  er  in  eine  schwere  Magenkrankheit,  von  der  er  sich  nie  mehr
ganz  erholt  hat,  eine  Gemütsdepression  machte  sich  seitdem  bemerkbar,
  die  erblich  gewesen  zu  sein  scheint  und  immer  mehr  in  Melancholie
  überging.  Man  gedenkt  der  spanischen  Prinzessin  Johanna,
die  durch  ihre  Ehe  mit  Philipp  dem  Schönen  die  spanische  Krone  an
die  Habsburger  gebracht  hat  und  die  Mutter  der  Kaiser  Karl  V.  und
Ferdinand  I.  geworden  ist.  Auch  sie  verfiel  nach  dem  Tode  ihres  Gatten
  in  Trübsinn,  in  dem  sie  ein  langes  trauriges  Leben  dahingebracht
hat;  und  mehr  wie  ein  Tropfen  dieses  schweren  Blutes  scheint  in  Rudolfs
  Adern  geronnen  zu  sein.  Immer  mehr  zieht  er  sich  von  der  Außenwelt
  zurück,  beschäftigt  sich  mit  toten  Dingen  und  mit  Tieren,
nicht  mehr  mit  Menschen.  Er  baut  sich  ein  Laboratorium,  eine
Sternwarte,  in  denen  er  viele  Stunden  des  Tages  verbringt;  1598
überfällt  ihn  neuerlich  schwere  Krankheit,  aus  der  er  noch  trüber  und
menschenscheuer  genest.  Er  will  nichts  mehr  wissen  von  seinen  Räten,
  seinen  Ministern;  wochenlang  müssen  sie  auf  einen  Bescheid
harren,  allmächtig  werden  seine  Sekvretäre,  Kammerdiener,  seine
Lakaien,  Männer  wie  Rumpf,  Lang,  Ratsky,  Barvitius.  Auf  Würde