110  Kaiser  Leopold  J.

Blut  in  ihren  Adern  führte.  Aus  dieser  Ehe  stammt  Ferdinand  III.
Es  ist  noch  zu  erwähnen,  daß  Ferdinand  II.  nach  dem  Tode  Maria
Annas  eine  zweite  Ehe  geschlossen  hat  mit  einer  Italienerin  aus  dem
Hause  der  Gonzaga.  Ferdinand  III.,  dreimal  vermählt,  hatte  zur
Mutter  seiner  Söhne  Ferdinand  und  Leopold  eine  spanische  Cousine,
Maria,  nach  deren  Tode  er  zunächst  eine  lirolische  Verwandte  und
zuletzt  wieder  eine  Gonzaga,  eine  Großnichte  der  Gemahlin  Ferdinands
  II.,  heiratete.

Es  erhellt  aus  dieser  kurzen  Übersicht  zweierlei:  einmal  daß  Ehen
unter  nahen  Verwandten  auch  in  der  deutschen  Linie  der  Habsburger
  etwas  sehr  häufig  Vorkommendes  waren,  und  zweitens  daß  diese
Linie  nur  deshalb  eine  deutsche  genannt  werden  kann,  weil  sie  über
deutsche  Länder  regierte,  man  aber  lange  zurück  suchen  muß,  bis  man
deutsches  Blut  in  ihren  Adern  findet.  Und  auch  die  Erziehung  hat
da  nicht  nachgeholfen,  wir  wissen  bereits,  wie  sehr  der  spanische  Einfluß
  auf  die  Politik  und  das  ganze  Leben  der  Habsburger  eingewirkt
hat,  wie  selbst  ein  deutsch,  ja  protestantisch  fühlender  Mann,  wie
Maximilian  II.,  seine  Söhne  nach  Spanien  geschickt  hat.  Immer
mehr  wird  auch  das  rein  katholische  Element  in  der  Erziehung  betont,
  das  naturgemäß  wenig  national  gefärbt  ist,  besonders  seit  es
von  den  Jesuiten  bestimmt  wird,  deren  ganzer  Ideenkreis,  ihr  Zweck,
ihre  Entwickelung  international  waren,  die  sich  zudem  in  jener  Zeit
angesichts  des  protestantischen  Geistes,  der  Deutschland  durchzog,
mehr  auf  die  glaubensstarken  romanischen  Völker,  vornehmlich  Spanier
  und  Italiener,  stützen  mußten.  Ganz  besonders  mußte  dieser
fremde  Zug  der  Habsburger  dann  hervortreten,  wenn  das  Schicksal
ihnen  einst  spanisches  und  italienisches  Gebiet  zur  Regierung  anvertraute,
  und  das  hat  sich  unter  Kaiser  Leopold  ereignet.

Ein  paar  Worte  zuvor  über  seinen  Vater.  In  einem  traurigen
Momente  des  Verfalls  hatte  Ferdinand  III.  die  Regierung  übernommen
  —  der  große  Krieg  stand  auf  seinem  Höhepunkte.  Er  war  ein
kluger,  gemäßigter  Herr,  der  einsah,  daß  die  Frömmigkeit  und  Verschwendungssucht
  seines  Vaters  dem  Lande  nicht  zum  Besten  gereicht
hatte;  er  war  wohl  auch  ein  eifriger  Katholik,  aber  weit  entfernt  von
der  Einseitigkeit  Ferdinands  II.;  er  hatte  das  Bewußtsein,  daß  ein
guter  Regent  auch  noch  für  anderes  sorgen  müsse,  als  für  das  Seelenheil
  der  Untertanen;  außerdem  war  er  sparsam  und  zurückhaltend
mit  den  Beweisen  seines  Wohlwollens.  Ferdinand  III.  sah  ein,  daß
er  nichts  Besseres  für  seine  Völker  wirken  könne,  als  ihnen  den  Frieden
  zurückgeben;  seine  Gesandten  beim  Friedenskongresse,  Graf  Trant-