*  Habsburger  Ehen.  —  Leopolds  Jugend  111
mannsdorf  und  Dr.  Vollmar,  haben  sich  redlich  bemüht,  einen  guten
Ausgleich  herbeizuführen,  mußten  aber  schließlich  angesichts  der  Lauheit
  des  Reiches  schöne  österreichische  Gebiete  dahingeben.  Und  nach
dem  Friedensschlusse  war  der  Kaiser  emsig  besorgt,  die  Wunden,  die
der  Krieg  seinen  Ländern  geschlagen  hatte,  zu  heilen;  zu  einer  großen
Tat,  zu  einer  bedeutenderen  Politik  war  keine  Zeit.  Für  die  Nachfolge
  sorgte  er  frühzcitig,  ließ  seinen  ältesten  Sohn  gleichen  Namens
zum  römischen  Könige  wählen;  1654  starb  dieser  und  nun  trat  der
zweite  Sohn,  Leopold,  in  den  Vordergrund,  geboren  1640.  Er  war
für  den  geistlichen  Stand  bestimmt  gewesen,  erzogen  durch  den  Grafen,
  späteren  Fürsten  Johann  Ferdinand  Portia  und  die  Jesuiten
Müller  und  Nidhard.  Jetzt  nach  dem  Tode  des  Bruders  mußte  er
für  seinen  neuen  Beruf  vorbereitet  werden;  schon  1655  huldigten
ihm  die  niederösterreichischen  Stände  als  künftigem  Herrn,  ein  Jahr
später  wurde  er  zum  Könige  von  Böhmen  und  Ungarn  gewählt;  nur
das  Reich  zeigte  sich  spröde;  ein  Handel  um  die  Stimmen  der  Kurfürsten
  begann:  diese  Königswahlen  in  Deutschland  waren  ein  recht
schmähliches  Geschäft  geworden;  um  Geld  ließen  sich  die  Wahlherren
  gerne  ihre  Stimmen  abkaufen.  Darüberhin  starb  1657  Kaiser
Ferdinand  III.

Nun  galt  es,  die  Kaiserwahl  vorzunehmen;  an  verschiedene  Kandidaten
  dachte  man,  an  den  Bruder  des  Verstorbenen,  Erzherzog
Leopold  Wilhelm,  an  den  Kurfürsten  von  Brandenburg,  ja  es  ist
allen  Ernstes  darüber  verhandelt  worden,  ob  man  nicht  den  französischen
  König  zum  deutschen  Kaiser  machen  könnte.  über  diese  Verhandlung
  besteht  kein  Zweifel;  etwas  anderes  ist  es,  ob  es  Ludwig
  XIV.  und  seinem  Minister,  Mazarin,  damit  Ernst  gewesen  ist,
und  da  liegt  die  Vermutung  näher,  daß  es  sich  bei  ihnen  nur  um
einen  Vorwand  gehandelt  hat,  um  leichter  ihren  wirklichen  Kandidaten,
  den  Kurfürsten  Ferdinand  Maria  von  Bayern,  durchzudrücken.
Dem  kühnen  Vorkämpfer  des  Katholizismus  während  des  Dreißigjährigen
  Krieges,  Maximilian,  dem  ersten  bayerischen  Kurfürsten,
war  1651  sein  Sohn,  Ferdinand  Maria,  gefolgt,  dem  Vater  durchaus
unähnlich,  mehr  für  das  Schöne  im  menschlichen  Leben  begabt  als
für  das  Große,  stark  beeinflußt  durch  seine  geistvolle  und  intrigante
Gemahlin,  Adelheid  von  Savoyen,  die  es  zu  ihrer  Lebensaufgabe
machte,  Ludwig  XIV.  zu  huldigen,  und  die  zur  Vorkämpferin  des
französischen  Einflusses  in  Bayern  geworden  ist.  Zwar  zur  Übernahme
  der  Kaiserkrone  fühlte  sich  Ferdinand  Maria  nicht  als  der
richtige  Mann,  seinem  ehrlichen  Sinne  widerstrebte  es  auch,  da  als