112  Kaiser  Leopold  J.

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Rivale  der  Habsburger  aufzutreten,  aber  im  Widerstreite  des  Frauenkampfes,
  der  am  Münchener  Hof  begann,  zwischen  der  Mutter  des
Kurfürsten,  die  eine  Österreicherin  war,  und  der  Gattin,  siegte  zumeist
  die  letztere,  und  Bayern  wird  ganz  einer  deutschen  Politik  entfremdet;
  noch  mehr  sind  dann,  meist  durch  persönlichen  Ehrgeiz  dazu
aufgestachelt,  der  Sohn  und  Enkel  in  französische  Bande  gefallen:
Max  Emanuel  1679—1726  und  Karl  Albert  1726—1745;  in  einer
überaus  kritischen  Zeit  versagt  sich  Bayern  völlig  den  deutschen  Verhältnissen
  und  wird  zur  Satrapie  Frankreichs.  Wie  sehr  der  Einfluß
dieses  Staates  in  Deutschland  überhandgenommen  hatte,  zeigte  sich,
als  gelegentlich  der  Kaiserwahl  Leopolds,  und  nachher,  Mazarin  eine
Reihe  von  weltlichen  und  geistlichen  Ständen:  Mainz,  Köln,  Trier,
Münster,  Basel,  Straßburg,  Pfalz-Neuburg,  Hessen-Kassel,  Hessen-Darmstadt,
  Braunschweig,  Waldeck,  Württemberg,  Kurbrandenburg,
Ansbach  und  Baireuth  zu  einem  rheinischen  Bunde  unter  französischer
  Führung  vereinen  konnte,  ein  Bund,  der  zwar  keine  weiteren
Erfolge  aufzuweisen  hatte,  der  nicht  einmal  die  Wahl  Leopolds  hintertreiben
  konnte  und  nach  dem  Tode  seines  Schöpfers  sich  sang=  und
klanglos  auflöste,  der  aber  doch  die  immer  deutlicher  werdende  Auflösung
  des  Deutschen  Reiches  vorherkündete.

Nach  vielen  Verhandlungen,  Bezahlungen,  Versprechungen  wurde
endlich  1658  Leopold  zum  Kaiser  gewählt.  Man  hat  den  Charakter
dieses  Fürsten  lange  Zeit  unterschätzt,  als  wäre  er  ein  geistiger
Schwächling  gewesen,  stets  von  anderen  abhängig,  einer  eigenen
Idee  unfähig.  Das  ist  ganz  unrichtig;  er  besaß  schöne  Geistesgaben,
die  sich  langsam  entwickelten,  aber  durchaus  nicht  brach  gelegen  sind.
Er  war  nur  sehr  schüchtern  und  im  Anfange  seiner  Regierung  unselbständig
  und  zurückhaltend;  man  muß  dabei  bedenken,  in  welcher  Jugend
  er  das  Zepter  zu  führen  begann;  eine  kraftvolle  Natur  freilich
wie  Kurfürst  Friedrich  Wilhelm,  der  ja  ebenso  jung  zur  Herrschaft
kam,  ist  er  nicht  gewesen.  Sehr  oft  waren  sein  Urteil  richtiger  und
sein  Blick  schärfer,  als  die  seiner  Minister,  und  da  hat  er  leicht,  mißtrauisch
  gegen  sich  selbst,  der  schlechteren  Ansicht  der  Fremden  nachgegeben,
  statt  der  eigenen  zu  folgen.  Mit  den  Jahren  besserte  sich
das,  er  hat  später  gerne  den  absoluten  Herrscher  hervorgekehrt.  Er
war  nicht  groß,  hager,  von  sehr  blasser  Gesichtsfarbe  mit  stark  ausgeprägter
  Unterlippe.  Sein  Blick  war  düster,  wenig  lebensfroh.  Er
liebte  es,  mit  Grandezza  Hof  zu  halten,  er  liebte  Pracht  und  Verschwendung
  und  sah  sehr  auf  die  Aufrechthaltung  der  strengsten  Etikette.
  Mit  Vorliebe  trug  er  die  schwarze  spanische  Tracht,  dazu  rote