Leopolds  Charakter  113

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Strümpfe,  auf  dem  schwarzen  Hute  eine  rote  Feder.  Gern  z  zog  er
Ausländer  in  seine  Nähe  und  ahmte  die  Lebensweise  des  spanischen
Hofes  nach;  er  lebte  überaus  regelmäßig,  widmete  den  größten  Teil
des  Tages  den  Geschäften;  er  sagte  gerne  von  sich,  er  sei  sein  eigener
Minister;  besonders  während  der  letzten  Zeit  seiner  Regierung  war
er  es  auch.  Alles  wollte  Leopold  kennen  lernen,  alles  wissen,  alles
erfahren:  es  war  ihm  ein  Vergnügen,  bogenlange  Akten  durchzulesen
  und  sie  mit  Randbemerkungen  zu  versehen.  Pflichteifrig  und
fleißig  ist  er  sohin  bis  zum  Übermaß  gewesen,  hat  dadurch  sich  aber
einer  Vielgeschäftigkeit  hingegeben,  die  ihn  von  wichtigen  Dingen  abgehalten
  hat  und  ihn  die  Geschäfte  liegen  ließ,  er  verstand  es  nicht,
Wichtiges  von  Unwichtigem  zu  trennen.  In  seiner  Jugend  war  erein
leidenschaftlicher  Jäger  und  hat  viel  Geld  für  seine  Jagden  ausgegeben,
  später  wurde  er  bequemer  und  mehr  häuslichen  Vergnügungen
  zugewandt.  Er  war  sehr  musikalisch,  komponierte  nicht  ohne
Geschick  und  hat  darin  eine  reiche  Tätigkeit  entfaltet;  wieviel  davon
freilich  sein  geistiges  Eigentum  gewesen  ist,  läßt  sich  heutzutage  nicht
mehr  feststellen.  Dabei  liebte  er  auch  manuelle  Fertigkeiten,  drechselte
  mit  Vorliebe  Holzbecher;  Bücher,  Münzen,  Antiken  ließ  er
sammeln,  für  die  historische  Wissenschaft  hatte  er  Sinn,  allerdings
reichte  sein  Hofhistoriograph,  der  Jesuit  Wagner,  nicht  an  Pufendorf
heran.  Die  Universitäten  in  Innsbruck,  Olmütz  und  Breslau  wurden
  unter  ihm  gegründet,  ebenso  eine  gelehrte  Gesellschaft  in  Halle,
die  heute  noch  seinen  Namen  trägt  und  unter  den  naturwissenschaftlichen
  Akademien  einen  Rang  einnimmt.  Des  Abends  pflegte  er  das
Kartenspiel;  genau  hat  er  in  sein  Tagebuch  dann  die  Ereignisse  des
Tages,  die  Ausgaben,  auch  Spielgewinn  und  Spielverlust  aufgezeichnet.
  Leopold  war  ein  frommer  Sohn  der  katholischen  Kirche,  beobachtete
  peinlich  ihre  Vorschriften,  aber  ließ  die  Politik  nicht  von  der  Religion
  beeinflussen.  Fremde  Sprachen  sprach  und  schrieb  er  mit  Vorliebe,
  spanisch  und  italienisch  vor  allem,  weniger  französisch,  aber
auch  im  Deutschen  konnte  er  sich  gewandt  ausdrücken,  was  damals
durchaus  nicht  selbstverständlich  gewesen  ist.  Besonders  gerne  griff
er  zur  Feder,  um  in  einem  barbarischen  aus  deutsch,  lateinisch,  spanisch,
  italienisch  gemischten  Idiome,  mit  einer  skrupellosen  Orthographie
  in  einer  jeder  Beschreibung  spottenden  Handschrift  Tag  für
Tag  bogenlange  Briefe  über  alles  und  noch  etwas  mehr  zu  schreiben.
Seine  Briefe  sind  wahre  Worträtsel,  auch  die  Zeitgenossen,  seine  Räte
und  Minister  standen  oft  verständnislos  vor  den  Hieroglyphen,  sie
sind  aber  von  großem  Werte,  weil  er  da  —  so  zum  Beispiel  in  dem
ANuch  128:  Weber,  von  Luther  zu  Bismarck.  I.  3.  Aufl.  8