Leopolds  Diener;  seine  Gemahlinnen  115

feste  Phalanx  zu  durchbrechen;  mühevoll  war  sein  Weg,  n  nie  e  wurde  er
für  voll  angesehen.  Zweifellos  haben  sich  dann  in  österreichischen
Diensten  Aristokraten  mit  hoher  Ehre  ausgezeichnet;  dank  ihrer  Ge—
burt  konnten  sie  schon  in  jungen  Jahren,  in  vollster  Manneskraft,
ihr  Bestes  und  Tüchtigstes  leisten,  sie  wurden  auf  ihrem  Lebenswege
nicht  durch  eine  lange  Reihe  Vorstufen  aufgehalten;  aber  sie  sind  doch
vielfach  besseren  Männern  im  Wege  gestanden;  fast  ausnahmslos
findet  man  unter  den  Ministern,  den  Gesandten,  den  Generälen  Vertreter
  der  hohen  Aristokratie,  die  auch,  ohne  viel  gelernt  und  gearbeitet
  zu  haben,  die  höchsten  Posten  einnahmen  und  dort  leisteten,
was  sie  eben  leisten  konnten;  und  das  war  oft  nicht  viel.  Niemals
ist  beispielsweise  unter  Kaiser  Leopold  der  Klügste  der  Diplomaten,
über  den  Österreich  in  langen  Jahrhunderten  verfügen  konnte,  der
Freiherr  von  Lisola,  zu  Macht  und  Einfluß  gekommen;  obwohl  selbst
adlig,  gehörte  er  doch  nicht  den  großen  österreichischen  Adelsfamilien
  an.

Leopold  ist  dreimal  verheiratet  gewesen.  Seine  erste  Gemahlin
war  eine  spanische  Prinzessin,  seine  Cousine,  Margarete  Theresia;
das  war  eine  politische  Heirat,  da  sie  Erbansprüche  auf  Spanien  mitbrachte.
  Es  dauerte  lange,  bis  die  Ehe  geschlossen  werden  konnte,
immer  wieder  wußte  der  spanische  Hof  die  Abreise  der  Infantin  zu
verzögern,  bis  alle  seine  Wünsche  nach  Gold  und  Ehrenzeichen  erfüllt
waren;  dann  verhinderten  ungünstige  Winde  die  Seereise;  viele  Monate
  mußte  Leopold  warten,  bis  endlich  der  Himmel  seinen  Wunsch
erfüllte  und  ihm  die  sehnsüchtig  erwartete  Braut  in  die  Arme  legte.
Es  war  eine  glückliche  Ehe,  nur  dadurch  getrübt,  daß  fast  alle  Kinder
  aus  derselben  frühe  starben,  eine  einzige  Prinzessin,  Marie  Antonia,
  wuchs  heran.  Ein  großer  Schmerz  für  den  Kaiser  war  es,  als
sein  geliebtes  Margaretl  nach  sechseinhalbjähriger  Ehe  die  Augen  für
immer  schloß.  Rührend  sind  seine  Briefe,  in  denen  er  die  Tote  beweinte.
  Trotzdem  schritt  er  schon  nach  sieben  Monaten  zu  einer  zweiten
Ehe.  Seine  Base  Claudia  Felicitas  von  Tirol,  eine  schöne  glänzende
Frau  war  es,  die  er  heimführte;  auch  diesmal  hatte  kluge  Erwägung
die  Wahl  des  Kaisers  geleitet,  denn  die  Prinzessin  war  die  Erbin  von
Tirol,  damit  kam  das  Land,  das  einst  nach  Ferdinand  I.  vom  Hauptstamme
  abgetrennt  worden  war,  wieder  an  Österreich  zurück.  Auch
die  zweite  Ehe  dauerte  nicht  lange,  kaum  drei  Jahre;  und  wieder  nur
wenige  Monate  nach  dem  Tode  der  zweiten  Frau,  heiratete  Leopold
zum  dritten  Male:  er  war  moralischen  Sinnes,  stets  ein  musterhafter
  Gatte  und  hatte  überdies  noch  keinen  Leibeserben.  Diesmal

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