Ungarn  und  die  Türkenkriege  117

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mobilisiert;  nicht  nur  das  Deutsche  Reich  schickte  ein  Heer,  auch  das
Königreich  Polen  unter  dem  Wahlfürsten  Johann  Sobieski  trat  noch
einmal  als  europäische  Großmacht  auf  und  sandte  seinen  König  selbst,
um  an  den  Abhängen  des  Wiener  Waldes  die  polnischen  Grenzen  vor
den  Osmanen  zu  verteidigen.  Elendiglich  endete  die  Belagerung  der
Türken,  zurückgejagt  wurden  sie  über  die  Leitha  und  nun,  was  sonst
nie  geschehen  war,  folgte  ein  kaiserliches  Heer,  um  den  Sieg  auszunützen.
  Unsterblich  bleibt  da  der  Ruhm  des  Markgrafen  von  Baden,  des
„Türkenlouis“  und  vor  allem  dann  Prinz  Eugens.  Ofen  wird  1686
erobert,  1691  werden  die  Türken  bei  Szlankemen,  1697  bei  Zentha  bis
zur  Vernichtung  geschlagen  und  im  Frieden  von  Karlowitz  ganz  Ungarn,
  mit  Ausnahme  des  Temeser  Banats,  ebenso  Siebenbürgen  für
Österreich  behauptet.  Während  des  Krieges  erfolgte  auf  dem  Reichstage
  von  Preßburg  1687/88  die  völlige  Aussöhnung  mit  den  Ungarn;
  sie  verzichteten  auf  den  bewaffneten  Widerstand,  den  sie  bisher
  als  ihr  gutes  Recht  behauptet  hatten,  nahmen  Erzherzog  Joseph
als  König  an  und  unterwarfen  sich  dem  Hause  Habsburg.  Noch  einmal
  zu  Beginn  des  achtzehnten  Jahrhunderts  loderte  der  Aufstand
in  Ungarn  auf  unter  Franz  Rakoczy,  aber  dieser  Bewegung  war  der
Boden  abgegraben  worden  durch  die  mit  Milde  gepaarte  Strenge
der  Regierung  Leopolds.  Da  auch  die  hohe  Pforte  diesen  Aufstand
nicht  mit  ganzer  Kraft  unterstützte,  wurde  er  leicht  unterdrückt  und
den  selbständigen  Regungen  der  Ungarn  in  den  letzten  Lebenstagen
Kaiser  Josephs  I.  durch  den  Frieden  von  Szathmar  ein  Ende  gemacht.
Erst  später  schlug  die  Pforte  los,  mußte  aber  dann  im  Passarovitzer
Frieden  von  1718  auch  das  Banat  und  selbst  Teile  von  Serbien  mit
Belgrad  abtreten.  Wie  sehr  sich  die  Ungarn  bald  unter  der  leichten
österreichischen  Regierung  wohlfühlten,  zeigt  am  besten,  daß  sie  später
  dem  Beschlusse  der  Unteilbarkeit  der  gesamten  Monarchie,  der
pragmatischen  Sanktion  von  1713,  freudig  zugestimmt  haben.

Man  kann  sie  bereits  unter  Leopold  für  unterworfen  ansehen;
während  Böhmen  seinen  Kampf  um  die  Selbständigkeit  1618—1620
mit  dem  Verluste  seiner  Privilegien  bezahlen  mußte,  war  Ungarn,
das  sich  viel  länger  gewehrt,  das  sich  viel  unbotmäßiger  benommen
hatte,  leicht  davongekommen;  es  behielt  eine  Sonderstellung,  die  ihm
alle  Vorteile  der  Verbindung  mit  den  österreichischen  Ländern  sicherte,
  ohne  es  irgendwie  zu  belasten,  denn  an  Geld  und  an  Soldaten
haben  die  Ungarn  wenig  geleistet.  Österreich  hatte  es  mit  seinem
Herzblute  erobert  und  verteidigt,  ohne  kaum  Vorteile  davon  zu  haben.
  Immer  wieder  wurden  in  jenen  Jahrzehnten  des  siebzehnten