118  Kaiser  Leopold  I.  6  1
Jahrhunderts  die  Hilfsquellen  der  anderen  Provinzen  für  den  Kampf
in  Ungarn  verwendet,  die  meisten  Regimenter,  die  besten  Generale
hingesandt;  es  war  Herzenssache  für  Leopold,  diesen  Krieg  siegreich
zu  beenden,  während  der  Kricg  am  Rhein  stiefmütterlich  behandelt
wurde  und  die  Habsburger  immer  meinten,  dort  solle  ihre  Stellung
von  anderen,  vom  Reich,  von  den  Gegnern  Frankreichs  verteidigt
werden.  Und  doch  waren  es  wichtige  Interessen,  die  in  Frage
standen.

Wir  wissen  bereits,  daß  die  Großmannssucht  des  französischen  Königs,
  der  Wunsch  nach  den  natürlichen  Grenzen  Frankreichs  große
Kämpfe  entfacht  hatte.  In  zwei  Kriege  wird  der  Kaiser  als  Oberhaupt
  des  Reiches,  als  Herr  der  Vorlande  verwickelt.  Sie  enden  mit
den  Friedensschlüssen  von  Nymwegen  und  Rijswyck.  Zwei  Namen,
die  recht  charakteristisch  klingen  „nimm  weg“  und  „reiß  weg“;  beide
Male  sind  kostbare  Landstriche  an  Frankreich  verlorengegangen.  Im
ersten  Frieden  erhielt  Ludwig,  abgesehen  von  wichtigen  niederländischen
  Plätzen,  die  Freigrafschaft  —  Franche  Comté  —  und  Freiburg,
den  Hauptort  im  Breisgau,  zugleich  ein  bedeutender  militärischer
Platz,  am  Einlaufe  der  Dreisam  in  den  Rhein.  In  den  folgenden
Friedensjahren  ist  dann  Ludwig  am  gewalttätigsten  vorgegangen,
durch  die  überrumpelung  von  Straßburg,  die  Einnahme  von  Luxemburg,
  die  Besetzung  von  Trier.  Er  hielt  damals  das  Reich  für  völlig
ungefährlich  und  zwang  es  zu  einem  Waffenstillstande.  Er  hatte  aber
den  Gegensatz,  der  allenthalben  gegen  ihn  vorhanden  war,  stark
unterschätzt;  er  verlor,  wie  wir  wissen,  die  brandenburgische  Allianz,
er  hat  besonders  1688  einen  Gegner  gegen  sich  erstehen  sehen,  den  er
gleichfalls  in  törichter  Weise  mißachtet  hat:  Wilhelm  von  Oranien,
der  Urenkel  jenes  ersten  großen  Oraniers,  besteigt  den  englischen
Thron  und  mobilisiert  nun  alle  englischen  und  holländischen  Kräfte
gegen  Frankreich.  Als  jetzt  Ludwig  unter  fadenscheinigstem  Vorwande
  bis  nach  der  Pfalz  seine  Raubzüge  ausdehnt,  bricht  ein  gewaltiger
  Krieg  los.  Wohl  werden  die  pfälzischen  Lande  greulich  verheert,
aber  Ludwig  unterliegt  doch  der  Koalition,  die  sich  gegen  ihn  gebildet
hat;  1697  muß  er  den  größten  Teil  der  Reunionen  zurückgeben  und
behält  nur  das  Elsaß  mit  Straßburg;  dafür  bekommt  der  Kaiser
Freiburg  und  Philippsburg  wieder.  Man  hat  damals  dem  Kaiser
vorgeworfen,  daß  er  Straßburg  selbst  ausgeliefert,  indem  er  nicht
rechtzeitig  Frieden  schloß,  und  daß  er  lieber  seine  Stadt  Freiburg
zurücknahm,  als  daß  er  durch  ihr  Opfer  den  Rückfall  von  Straßburg
erkauft  hätte.  Man  wird  diese  Beschuldigung  ablehnen  dürfen;  sie