Wittelsbacher,  Welfen,  Wettiner,  Hohenzollern  123
gesehen  von  den  Kaiserwahlen,  in  den  letzten  Jahrhunderten  „geruht“
  hatte,  wurde  dadurch  die  bisherige  katholische  Mehrheit  im
Kurfürstenkollegium  verändert;  den  Katholiken  Mainz,  Köln,  Trier,
Bayern  standen  jetzt  die  Protestanten  Pfalz,  Sachsen,  Brandenburg,
Hannover  gegenüber.  Um  den  Katholiken  wieder  die  Mehrheit  zu  sichern,
  wurde  gleichzeitig  die  „Readmission“,  die  Wiederbelebung  der
böhmischen  Stimme  auch  in  anderen  Reichsangelegenheiten  beantragt.
  Nach  langen  Kämpfen  gelang  es,  beides  im  Reichstage  durchzusetzen.
  Daß  es  möglich  war,  so  einschneidende  Veränderungen
durchzuführen,  zeigt  zur  Genüge,  wie  wenig  Bedeutung  damals  dem
Reichstage  geblieben  war.  Dem  neuen  Kurfürstentum  Hannover
winkte  bald  eine  noch  größere  Standeserhöhung;  da  die  katholischen
Stuarts  aus  England  verbannt  blieben,  wurde  Georg  Ludwig,  Kurfürst
  von  Hannover,  der  nächstberechtigte  protestantische  Anwärter
auf  den  englischen  Thron  und  in  der  Tat  bestieg  er  ihn  dann  als
König  Georg  I.  1714.

Ebenso  wurden  die  sächsischen  Fürsten  mit  dem  Auslande  verknüpft;
  Friedrich  August  I.,  von  dem  wir  noch  mehr  hören  werden,
setzte  durch  viel  Geld  und  Intrigen  aller  Art,  nicht  zuletzt  durch
seinen  Übertritt  zur  katholischen  Religion,  1697,  seine  Wahl  zum
Könige  von  Polen  durch,  als  welcher  er  August  II.  heißt.

Angesichts  dieses  Ehrgeizes,  der  die  Fürstengeschlechter  Deutschlands
  durchzog,  konnte  Kurfürst  Friedrich  IIII.  von  Brandenburg
nicht  rasten.  Er  hatte  sich  bald  nach  seiner  Thronbesteigung  die  tiefe
Demütigung  gefallen  lassen  müssen,  Schwiebus  auf  Grund  seines
heimlichen  1686  geleisteten  Reverses  wieder  zurückgeben  zu  müssen.
Wenig  nühtzte  ihm  die  dabei  gewährleistete  Aussicht  auf  Ostfriesland,
wenig  nützte  ihm,  daß  seine  Unterhändler  bei  der  „Retradition“
von  Schwiebus  ausdrücklich  erklärten,  damit  lebten  die  brandenburgischen
  Ansprüche  auf  Schlesien  wieder  auf;  es  war  eine  Demütigung
und  eine  Niederlage  gewesen.  Dafür  hoffte  er  sich  durch  eine  Titelerhöhung
  schadlos  zu  halten.  Seiner  Prachtliebe  entsprach  der
Wunsch,  einen  königlichen  Hof  zu  führen.  Lange  dauerten  die  Verhandlungen
  darüber;  sogar  der  Papst  griff  ein,  um  vielleicht  damit
auch  einen  Religionswechsel  des  Brandenburgers  zu  erreichen;  sehr
unwillig  war  er,  als  er  sich  dann  in  dieser  Hoffnung  getäuscht  sah.
Verschiedene  Titel  wurden  vorgeschlagen,  König  der  Vandalen  usw.,
bis  endlich  der  Vertrag  mit  dem  Kaiser  fertig  wurde,  in  welchem  dieser
  zugab,  daß  sich  der  Kurfürst  nach  dem  Lande,  das  er  völlig  souverän
  besaß,  König  in  Preußen  nannte,  dafür  aber  —  ebenso  wie