galt,  so  hatte  ich  doch  nie  eine  besondere  Neigung  für
Erlernung  der  Sprachen,  und  besonders  hegte  ich  eine
wabre  Antipathie  gegen  alles  Memoriren,  indem  es  mir
lächerlich  vorkam,  aus  einem  Buche  von  Wort  zu  Wort
auswendig  zu  lernen,  und  wie  Vögel  nachzuplappern.
Wenn  ich  daber  ein  Geschichtchen  oder  sonst  etwas  Interessantes
  gehört  oder  gelesen  batte,  so  strengte  ich  mich
oft  an,  um  einem  Kameraden  solches  mit  ganz  andern
Worten  und  nur  dem  Sinn  nach  wieder  zu  erzäblen.
Dadurch  siel  es  mir  zuletzt  nicht  mebr  schwer,  ein  Mährchen
  oder  sonst  eine  Geschichte  in  eine  andere  Gestalt  und
Form  einzukleiden.  Von  all  meinem  früheren  Unterricht
war  mir  jedoch  das  Rechnen  und  Schönschreiben,  das
Lesen  von  Biograpbien  berühmter  Männer,  so  wie  auch
das  Zeichnen  und  Musieiren  in  öffentlichen  so  wie  in
Privatstunden  das  Angenehmste.

Da  ich  meinen  Vater  schon  in  meinem  achten  Jahre
verlor,  so  wurde  ich  zwar  von  meiner  Mutter  noch  zu
allem  jugendlichen  Unterricht  angehalten,  allein  Latein
zu  lernen,  wie  mein  älterer  Bruder,  wollte  mir  um  so
weniger  in  den  Kopf,  da  die  Arbeiter  meiner  Mutter
ibn  deswegen  verspotteten  und  mich  in  meiner  Neigung
zum  Zimmerbandwerk  bestärkten.  Darum  suchte  ich  mich
allem  öffentlichen  Unterricht,  in  so  weit  er  nach  meiner
Meinung  nicht  in  mein  künftiges  Fach  taugte,  so  viel
möglich  durch  allerlei  Kunstgriffe  zu  entzieben  und  meine
Stunden  nur  in  so  weit  zu  nützen,  daß  ich  mit  Ebren
in  der  Schule  und  mit  meinen  Kameraden  besteben  konnte;
denn  in  der  Tbat  besaß  ich  doch  auch  von  der  andern
Seite  wieder  so  viel  Ehrgefühl,  daß  ich  nie  getadelt  oder