14

eifriges  Bestreben,  trotz  meiner  täglichen  Geschäfte  mir
die  Vorlesungen  über  obgenannte  Wissenschaften  möglichst
zu  Nutze  zu  machen.  Ungeachtet  ich  bis  dabin  verschiedene
  Bücher  über  die  Kunst  und  besonders  über  die  Baukunst
  gelesen  hatte,  feblte  es  mir  doch  gänzlich  an  den
für  das  böhere  Studium  der  Baukunst  unentbebrlichen
Vorkenntnissen,  weil  sich  dazumal  niemand  in  Karlsruhe
fand,  welcher  die  Architektur  gründlich  kannte.  Alles,
was  ich  daber  in  der  Architektur,  außer  den  gewöhnlichen
Holz=  und  Steinconftructionen  eines  gewöhnlichen  Handwerksmanns,
  bier  erlernen  konnte,  beschränkte  sich  auf  die
fünf  Säulenordnungen  nach  Vignola  u.  s.  w.,  so  wie
auf  die  Ausführung  eines  Bürgerbauses  nach  dem  damaligen
  sogenannten  französischen  Styl.  Dann,  außer  einem
sebr  beschränkten  Frethandzeichnungs-unterricht,  babe  ich
für  das  Studium  der  Kunst  nur  mit  vieler  Mübe  die
Anfangsgrände  in  der  perspectivischen  Seichnungslebre
zuerst  nach  Pater  Bozzo  und  später  nach  Lambert  einstudirt,
  weil  sich  hier  niemand  vorfand,  der  diese  Wissenschaft
  gründlich  verstand,  und  mir  darin  hätte  Anleitung
  ertbeilen  können.

Außer  diesen  meinen  Studien,  die  ich  jedoch  bis  zu
meiner  Abreise  von  Karlsrube,  wo  ich  gegen  20½  Jahr
alt  war,  sehr  leidenschaftlich  neben  meinen  übrigen  Tagsgeschäften
  betrieb,  machte  ich  in  der  Zwischenzeit  auch
einige  Exeursionen  nach  Strasburg,  Mannbeim  und
Stuttgart,  um  in  diesen  Städten  etwas  Bedeutenderes
von  Kunst  ausgefübrt  zu  sehen.  Dadurch  wurde  meine
Wißbegierde  und  mein  Hang  für  die  Kunst  neuerdings
belebt,  und  immer  staͤrker  erwachte  in  mir  der  Trieb"