16

zimmer  war,  an  deren  Seite  ich  öffentlich  erschien.  In
vertrauten  Zirkeln  war  ich  übrigens  mit  Frauenzimmern
  immer  gerne  zusammen,  und  das  bloße  Beräbren
ibrer  Kleider  konnte  mich  oft  schon  entzücken,  und  ein
Handkuß  sogar  glücklich  machen;  dabei  war  ich  jedoch
weit  entfernt,  mich  in  Liebesverständnisse  einzulassen,
weil  ich  mich  auf  keine  Weise  binden  wollte,  so  lange
der  weite  Weg  zum  Ziele  des  Künstlers  noch  vor  mir  lag.
Zum  tüchtigen  evangelischen  Chrittentbum  hatten  auch
meine  Eltern  schon  frübzeitig  mich  angewiesen,  indem
mich  mein  Vater,  als  ich  kaum  geben  konnte,  schon  mit
sich  in  die  Kirche  nahm,  und  mich  mit  meinen  Geschwi-Kern
  auch  jeden  Abend  ein  lutberisches  Abendlied  vorsagen
  oder  absingen  ließ,  wobei  ich  immer  in  Gesang
und  Andacht  vor  meinen  Geschwistern  mich  auszeichnete.
Nach  dem  Tode  meines  Vaters  forderte  meine  Mutter
ibre  Kindrr  so  fleihbig  zum  Gebet  und  zum  Lesen  in  der
beiligen  Schrift  auf,  daß  es  wohl  wenige  Stellen  in
derselben  giebt,  von  denen  mir  nicht  noch  etwas  im  Gedächtniß
  geblieben  wäre.  Ungeachtet  mir  mein  französischer
  Sprachmeister,  der  ein  katbolischer  Exgeifticher
war,  schon  frübzeitig  bei  seinem  Privatunterricht  mehr
von  seinen  religiösen  Meinungen  als  Sprachkenntnisse
beizubringen  suchte,  so  konnte  mich  derselbe  doch  nicht
in  meinem  Glauben  wankend  machen,  und  ohne  zu  frömmeln,
  oder  mir  auch  nur  im  geringsten  den  Anschein  von
Pietät  zu  geben,  setzte  ich  dennoch  mein  Zutrauen  immer
auf  das  Gebet  und  die  Verehrung  des  böchsten  Wesens
fort.  Und  mein  Zutrauen  auf  das  Gebet  war  bis  zu
meinem  fünfzehnten  Jahre  so  groß,  daß  ich  mir  mit  dem-